Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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Wir sind noch viele, die inbrünstig auf eine Impfung hoffen, als Rettung vor einer Erkrankung an Corona und einem womöglich grausamen Tod und als Versprechen aus dem tristen Lockdown herauszukommen und unser altes unbeschwertes Leben wiederzugewinnen. Andere zweifeln, ob sie sich wirklich mit diesem „mit heißer Nadel gestrickten“ Vakzin impfen lassen sollen und fürchten, dass sich später Nebenwirkungen einstellen könnten. Zudem gab es einigen Wirbel um den Impfstoff Astra Zeneca, erst war er nur bis 65 Jahre zugelassen, dann entdeckte man 25 Menschen mit Hirnthrombosen (25 auf 2,5 Mio. mit Astra Zeneca Geimpfte in Europa). Das alles macht noch unsicherer.

In München sind sehr viele über 80-jährige mittlerweile geimpft, allerdings nicht die immobilen, die nicht in Heimen leben, oder die, die niemanden haben, der sie für die Impfung anmeldet. Außerdem wurde gerade von Staatsseite eingeräumt, dass der Logarithmus einige vergessen hätte (?). Trotzdem, die Impfung schreitet voran, jetzt sind schon die mit einer 7 vorne dran.
Ich habe mit drei Geimpften gesprochen und sie nach ihren Erfahrungen und Gefühlen befragt:

Johannes: Er ist gerade im Dezember 80 geworden, sehr fit und aktiv, berichtet: „Es ging ganz plötzlich am Vorabend bekam ich Bescheid, dass ich am nächsten Vormittag einen Impftermin habe. Für mich eine Riesenerleichterung, endlich hängt das Damokleschwert einer Infektion, von der ich sicher bin, dass ich sie nicht überlebt hätte, da ich die letzten Jahre immer wieder mit einer schweren Bronchitis zu kämpfen hatte, nicht mehr über mir.“ Er ist mit Astra Zeneca geimpft, hätte aber jeden Impfstoff genommen. Es geht ihm gut er hat keine weiteren Reaktionen auf die Impfung und wartet jetzt auf die zweite Dosis, damit er endlich wieder sein gewohntes Leben aufnehmen kann, sich mit Familie und Freunden nicht mehr nur draußen treffen, wieder Yoga in der Gruppe machen und seiner Literaturgruppe nicht mehr nur online begegnen.

Dann spreche ich mit Falk, er und seine Frau Katharina leben in einer Wohnung der Pfennigparade, sie sind beide Anfang 30 und werden beide vom Pflegedienst der Pfennigparade gepflegt, zudem bekommen sie Assistenz für die Freizeitgestaltung.
Interessant ist, dass Falk genau das gleiche Bild wie Johannes verwendet, dass es für sie eine Riesenerleichterung ist, weil über ihnen nicht mehr das Damoklesschwert der Infektion mit tödlichen Folgen hängt. Sie wurden beide mit Biontech geimpft und haben auch schon ihre zweite Dosis erhalten. Sie sind der Pflegedienstleitung der Pfennigparade sehr dankbar, die dafür gesorgt hat, dass alle, die gepflegt werden, zügig geimpft wurden, auch die Pfleger sind mehrheitlich geimpft. Bis auf eine kleine Schwellung an der Einstichstelle hatten sie keinerlei Nebenwirkungen. Falk beklagt sich aber darüber, dass sie nach wie vor bei der Pflege und allen Freizeitaktivitäten mit Assistenz Maske tragen müssen, das fällt ihnen sehr schwer. Sie hoffen darauf, dass sie die bald los sind und wieder frei atmen können. Aber auch in der Arbeit, wo Falk viel mit Kunden zu tun hat, muss er nach wie vor Maske tragen, denn er kann ja schlecht jedem erklären, warum er keine Maske aufhat.

Dann spreche ich noch mit Coralie, sie ist um die 50 und lebt in einer Wohngruppe der Pfennigparade. Auch sie ist schon zum zweiten Mal mit Biontech geimpft, bis auf eine kurzfristige Schwellung an der Einstichstelle hatte sie keinerlei Nebenwirkungen. Die Freude über die Impfung ist ihr anzumerken. Maske tragen muss auch sie nach wie vor, obwohl gerade für sie das besonders schwer ist. Aber Coralie ist Optimistin, „des werd scho“. Außerdem betont sie ganz stolz, dass sie, die ihre Hände nicht benutzen kann, einen Mechanismus entwickelt hat, wo sie selbständig ihre Maske auf- und abziehen kann. Also alles nicht so schlimm, Hauptsache sie hat die Impfung.


In der Johann-Fichte-Str. 12, dem Haus, wo unser Büro ist, sind von den Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen, die dort wohnen, viele noch nicht geimpft, selbst über 80Jährige.
Es zeigt sich, dass die Menschen, die in Einrichtungen leben, eindeutig im Vorteil sind, hier sind mobile Impfteams unterwegs, die zu Impfenden haben keinen Anfahrtsweg und müssen sich nicht selber registrieren.

Carola Walla
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