Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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2019-10 Oktober

Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
das neue Schuljahr hat begonnen und Inklusion ist leider nach wie vor ein Thema, das an vielen bayerischen Schulen bei Schülern, Eltern und auch Lehrern einiges an Frust, Verzweiflung und Unmut hervorruft.
Warum? Weil Inklusion in der Schule eben nur funktioniert, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, Heißt konkret: wenn die Klassen klein sind, genügend Lehrer da sind, denen auch Zeit und Raum bleibt, um ihre Zusammenarbeit ordentlich zu koordinieren und abzusprechen, und wenn die Unterrichtsmethoden so gestaltet sind, dass sie zu Struktur und Zusammensetzung der jeweiligen Klasse passen.
Geschieht all dies nicht, ist es keine echte Inklusion, sondern gleicht mehr dem, was wir früher unter Integration verstanden haben: Kinder mit Behinderung dürfen Teil des Systems sein, aber nur, wenn sie sich entsprechend anpassen können,
Bayern ist mit dem „Schulprofil Inklusion“ einen recht guten Weg gegangen – aber ohne tiefergehende strukturelle Veränderungen werden wir uns beim Thema Inklusion in der Schule auf Dauer nicht wirklich weiterentwickeln. Im Übrigen: die erwähnten Veränderungen würden unserem Schulsystem im Sinne aller Schüler sicher guttun.
Denn: Effektives Lernen funktioniert nun einmal äußerst individuell. Patentrezepte und universelle Darreichungsformen, die für alle passen, gibt es in diesem Bereich eben kaum. Dieser Tatsache sollte ein modernes, zukunftsorientiertes Bildungssystem unbedingt Rechnung tragen. Besonders in einem Bundesland, das für sich in Anspruch nimmt, in möglichst vielen Bereichen Vorreiter sein zu wollen!. Wenn das auf einem Feld sinnvoll ist, dann bei der Bildung!
Zuletzt wieder mein Aufruf an alle: wenn Euch/Ihnen ein Thema besonders am Herzen liegt, dann schreibt/schreiben Sie doch einfach einen Artikel darüber für die Clubpost! Wir suchen immer neue Geschichten, Bilder und Berichte. Schickt/schicken Sie uns einfach eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder ruft/rufen Sie uns an im Club-Büro unter 089/356 540 74.
Viel Spaß mit der Clubpost und bei allen Aktivitäten des CBF wünscht Ihnen/Euch Holger Kiesel
In dieser Ausgabe lädt Wolfgang Vogl zur diesjährigen Mitgliederversammlung und Michaela Schlereth zu einer Rolliwanderung von Ohlstadt nach Eschenlohe. Peter Pabst interviewt einen Erstwähler, der aufgrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu den bis dato geltenden Wahlrechtsausschlüssen erstmals an der Europawahl teilnehmen durfte und Werner Müller stellt ein Handy mit Ortungs- und Sturzmelderfunktion vor. Monika Burger hat sich in der Ausstellung „Kosmos Kaffee“ umgesehen und Wolfgang Vogl in „Stadt ohne. Juden, Ausländer, Muslime, Flüchtlinge.“. Last, but not least präsentiert diesmal Felix Liesenkötter ein Lokal des Monats im Landkreis Erding.
Es hat sich mittlerweile allseits herumgesprochen, dass der CBF jährlich seine Mitgliederversammlung abhält, da gemäß den gesetzlichen Vorschriften der Vorstand auch jährlich entlastet werden muss. Da aber nach wie vor eben dieser Vorstand nur alle zwei Jahre gewählt wird, findet abwechselnd immer eine Mitgliederversammlung mit und eine ohne Vorstandswahlen statt.2019 ist ein Jahr ohne Vorstandswahlen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich den Termin sparen sollten, weil nur belanglose Reden gehalten werden – im Gegenteil!
Wir haben ein äußerst aufregendes und ereignisreiches Jahr hinter uns. Nach der personellen Ausweitung und Konsolidierung unter anderem durch die Schaffung zweier halber EUTB-Stellen konnten wir im Frühjahr auch neue Büroräume im Haus dazu mieten. Viele werden beim Sommerfest schon einen Blick in die neuen Räume geworfen haben. Zwischenzeitlich haben wir uns weitgehend eingerichtet. Über all diese Entwicklungen möchten wir Ihnen gerne Bericht erstatten sowie über unsere Pläne für das kommende Jahr. Rechenschaftsberichte über unsere Tätigkeit ergänzen dies. Selbstverständlich werden auch Sie wieder ausführlich Gelegenheit bekommen, uns Fragen zu unserer Arbeit zu stellen oder einfach mitzuteilen, wo Sie der Schuh drückt.

Liebe Wanderfreunde,
Im Oktober werden wir wieder ein neues Gebiet erwandern.
Wir fahren mit der Werdenfelsbahn bis Ohlstadt und wandern/rollen von dort bis Eschenlohe. Wege: geteerte sowie Waldwege (2 stärkere Steigungen), ein paar starke Schieber sind bei dieser Wanderung von Nöten. Es erwarten uns ca. 6 km. Einkehren werden wir im Landgasthof Alter Wirt.

Bezugnehmend auf unsere Artikel zu den Wahlrechtsausschlüssen von Menschen mit Behinderung haben wir mit einem Erstwähler, Herrn Fabian W., ein Interview geführt. Herr W. ist 25 Jahre alt, lebt in einer inklusiven Wohngemeinschaft der Lebenshilfe und arbeitet in einer Werkstatt des Caritasverbandes für Menschen mit Behinderung. Da Herr W. wegen seiner Lernschwierigkeiten einen gesetzlichen Betreuer hat, der für alle Lebensbereiche zuständig ist, durfte er in der Vergangenheit nicht an Wahlen teilnehmen. Diese Diskriminierung wurde nunmehr im Zuge positiver Entwicklungen der UN-Behindertenrechtskonvention aufgehoben. Am 26. Mai dieses Jahres hat Herr W. an der Europawahl teilgenommen.
Peter Pabst (PP): Herr W., wie wichtig war es für Sie, bei der Europawahl abstimmen zu dürfen?
Fabian W. (FW): Das war mir sehr wichtig. Ich möchte auch wählen dürfen wie alle Menschen ohne Behinderung auch.
P.P.: Wie haben Sie sich über die zur Wahl stehenden Parteien denn informiert?
F.W.: Meine Informationen hatte ich über die Zeitung, das Fernsehen, aus dem Radio und auch vom Internet erhalten.
P.P.: Was die Politik will, ist oft schwer zu verstehen. Gab es denn gute Erklärungen?
F.W.: Ja einzelne Parteien haben Informationen in leichter Sprache gehabt. Ich habe mehrere angesehen, auch das von den Grünen.

Kosmos Kaffee: Blick in die Ausstellung

Haben Sie heute schon eine Tasse Kaffee genossen? Das ist sehr wahrscheinlich, weil im Durchschnitt in Deutschland pro Kopf 162 l pro Jahr getrunken werden. Damit dürfte der neuen Ausstellung im Deutschen Museum „Kosmos Kaffee“ ein großer Kreis an Interessierten sicher sein.

Leider ist das Museum mit dem ÖPNV schlecht erreichbar: die S-Bahnstation „Isartor“ hat immer noch keinen Lift und die Tramhaltestelle „Ludwigsbrücke“ ist für Rollstuhlfahrer zu schmal. Der kürzeste Fußweg ist von der Haltestelle „Boschbrücke“ des 132er Busses.
 
Wie alle Sonderausstellungen wurde sie am hintersten Ende des Gebäudes aufgebaut: Vom Museumshof, in dem sich auch der Kassencontainer befindet (für Rollstuhlfahrer und Begleitpersonen ist der Eintritt kostenlos, eine Karte braucht man trotzdem), gelangt man über eine normgerechte Rampe ins Haus. Innen erwartet einen eine sehr viel steilere mit 2 Handläufen. Danach mit dem Aufzug in den 1. Stock, nach links durch die Physikabteilung und einen langen Gang entlang.

Ein SOS-Handy
mit Sturzmelder und Ortungsfunktion

Dieses spezielle Handy könnte vor allem für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einen Beitrag dazu leisten, um beispielsweise bei einem Sturz oder einer Rollstuhl-Panne auf einfache Weise zu signalisieren, dass Hilfe benötigt wird. Hierzu dient ein großer SOS-Knopf – die Telefonnummer einer bestimmten Person kann vergeben werden, die im Notfall verständigt werden soll. Sehr hilfreich ist zudem der integrierte Bewegungssensor, der einen Sturz erkennt und somit die hinterlegte Notfall-Rufnummer – mit Freisprechfunktion – aktiviert.

Retane Geifrig mit Brenda Silbernagel Lopez

Als Dankeschön für die Unterstützung durch unsere EUTB-Beratungsstelle schenkte uns Brenda Silbernagel Lopez ein wunderschönes Acrylbild mit Hibiskusblüten als Grundmotiv. Ein Bild, das pure Lebensfreude ausdrückt. Es bekommt nun einen Ehrenplatz in unserem Büro und Ratsuchende können sich in heiterer, sonniger Stimmung beraten lassen. Brenda Silbernagel Lopez, die in Kolumbien geboren ist, lebt seit 5 Jahren mit Mann und zwei Töchtern in Deutschland. Aufgrund einer Polyneuropathie fährt sie im Rollstuhl. Malerei ist ihr großes Talent und ihre Leidenschaft. Sie träumt davon, die Malerei zu ihrem Beruf zu machen.
Renate Geifrig
Szene aus dem Film „Die Stadt ohne Juden“ (Österreich 1924), Ausweisung der Juden aus der Stadt | © Filmarchiv Austria
Im Jahre 1922 schrieb der österreichische Autor Hugo Bettauer den Roman „Die Stadt ohne Juden“, der Vorlage für den1924 erschienenen Stummfilm gleichen Namens wurde. Darin wird in der stark polarisierten Gesellschaft der Stadt Utopia  die dort lebende Minderheit der Juden zunächst als Sündenbock für bestehende Missstände ausgemacht. Deren Ausgrenzung wird von der Mehrheitsbevölkerung nicht nur hingenommen, sondern in zunehmendem Maße befürwortet und die Behandlung der jüdischen Minderheit immer brutaler. Sie endet schließlich mit ihrer Ausweisung. Die filmische Realisierung mit aus Utopia abfahrenden Zügen und aus der Stadt ausziehenden, langen Menschenkolonnen lässt uns Nachgeborene zwangsläufig an die Shoah und den Grauen der antisemitischen Vernichtungspolitik denken, die nur wenige Jahre später in Deutschland wütete. Film und Buch werden deshalb häufig als Prophetie des dann folgenden Geschehens gesehen, doch das waren sie nicht: Auschwitz war so unvorstellbar, die mörderischen Vorhaben der Nationalsozialisten so ungeheuerlich, dass sie keinesfalls als Vorahnung mitschwingen. Buch und Film  haben denn auch ein Happy End: nach zahlreichen Volten und Intrigen wird die Rückkehr der Juden nach Utopia beschlossen und der erste zurückkehrende Jude von der Bevölkerung euphorisch begrüßt.

Bräustüberl Grünbach
Graf-Seinsheim-Str. 21, 85461 Bockhorn
Tel.: 08122 9 59 84 40

Das Lokal des Monats habe ich dieses Mal in Grünbach gefunden. Grünbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Bockhorn im Landkreis Erding in Oberbayern. Der sehr schön in leichter Hügellandschaft eingebettete Ortsteil beherbergt zwei Baudenkmäler. Zum einen das Schloss Grünbach mit Schlossbrauerei, einer sogenannten Weißbier Manufaktur. Damals (seit 1787) wie heute wird dort nach traditioneller Braukunst Weißbier hergestellt. Im Schlossgebäude befindet sich auch unser Lokal des Monats, das Bräustüberl Grünbach. Die Wirtschaft wurde erst vor kurzem von einem neuen Pächter übernommen. Der schöne Biergarten lädt unbedingt zum Verweilen unter den hohen Bäumen ein. Dort kann man noch recht preiswert gut bayrisch essen. Wo sonst bekommt man noch ein Weißbier unter 3,00 €?