Club-Post - Club Behinderter und ihrer Freunde. München und Region

Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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2018-08 August

Liebe Mitglieder, liebe Freunde,

im Jahr 2018 begehen auffällig viele Institutionen aus dem Behindertenbereich ihr Jubiläum. Den 50. Geburtstag von 'Handicap International' haben wir heuer schon gefeiert, der 60. der Lebenshilfe folgt im November. Und eine andere Organisation, die in München ihren Sitz hat, wird dieses 2018 auch noch 50 Jahre alt: die Aktion Sonnenschein. Ihr verdanken wir beispielsweise Deutschlands erste inklusive Kindertagesstätte.

Meine eigene Geschichte ist eng vor allem mit dem Gründer dieser Organisation verbunden – Prof. Theodor Hellbrügge. Der Kinderarzt und Direktor des Kinderzentrums in München beendete damals eine schier endlose Ärzteodyssee meiner Eltern und beantwortete ihre bange Frage, wann dieses Kind denn nun endlich anfangen würde zu laufen, mit einer ziemlich direkten Aussage: 'Dieses Kind wird niemals laufen lernen, aber mit einer frühzeitigeren Diagnose wäre das durchaus möglich gewesen!'.

Dieser Satz umschreibt, so hart er auch klingt, dennoch zugleich irgendwie treffend das Credo der Aktion Sonnenschein: rechtzeitig genau hinschauen und gezielt handeln, um die Einschränkungen für Kinder mit Behinderung so gering wie nur möglich zu halten, sie fördern und zu maximaler Selbstständigkeit erziehen, aber sie dennoch mit ihrem Handicap annehmen.  

Ein für die damalige Zeit enorm fortschrittlicher und gerade heute wieder sehr aktueller Ansatz, auf den sich gerade die Träger mancher Behinderteneinrichtungen, die allzu sehr auf die Auslastung ihrer Häuser fixiert sind, gerne wieder verstärkt besinnen dürften. Denn er beschreibt aus meiner Sicht nichts weniger als den Kern des Inklusionsgedankens.

Zum Schluss wieder der Aufruf an alle Leser: wenn Euch/Ihnen ein Thema besonders am Herzen liegt, dann schreibt/schreiben Sie doch einfach was darüber für die Clubpost! Wir freuen uns immer über neue Themen, Bilder oder Beiträge. Schickt/schicken Sie uns einfach eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder ruft/rufen Sie an im Club-Büro unter 089/356 540 74.  

In dieser Ausgabe lädt Michaela Schlereth zu einer sommerlichen Rolliwanderung nach Grafrath mit anschließendem Grillen, Michael Neuner von der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ZBFS befasst sich mit dem Thema „Barrierefreie Ausstattung am Arbeitsplatz“ und Mauna Kuduku berichtet von ihrer Tätigkeit im Rahmen ihres Praktikums bei einer unserer Kundinnen und stellt diese vor. Hanne Kamali lockt uns in den Seehof nach Herrsching und Wolfgang Vogl versucht, Ihnen eine Initiative des Kulturreferats schmackhaft zu machen. Eine Liste mit den Terminen im August rundet – wie immer – diese Ausgabe ab.

Viel Spaß mit der Clubpost und bei den Aktivitäten des CBF wünscht Ihnen/Euch

Holger Kiesel
Liebe Freunde der Rollstuhlwanderungen,

wie bereits angekündigt, führt uns unser Ausflug im August nach Grafrath zu Detlef und Sabine. Es wird eine einfache Wanderung mit vorwiegend Sandwegen von  ca. 4 km. Im Anschluss gibt es bei Detlef und Sabine Kaffee und Kuchen und dann grillt Detlef auch noch für uns! Für Essen und Getränke werden € 10,00 pro Person anfallen. Das Geld sammle ich dann vor Ort ein.

Von der Integration zur Inklusion – in Bayern wurde aus dem Integrationsamt jetzt das Inklusionsamt. Bayern ist damit den anderen Ländern einen Schritt voraus und in Deutschland einmalig! Das Integrationsamt – jetzt Inklusionsamt – im Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) hat im Jahr 2017 Leistungen in Höhe von 50,4 Millionen Euro an die Arbeitgeber ausbezahlt, die Menschen mit Behinderung beschäftigen. Das sind rund 9,6 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Was macht das Inklusionsamt im ZBFS?

Aufgabe des Inklusionsamtes ist die Inklusion, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben zu fördern. Die Arbeitsplätze in Betrieben und Dienststellen müssen zu den Menschen mit Handicap und ihren individuellen Fähigkeiten passen.

Ich betreue Katrin Schütte seit einem Jahr. Sie hörte vom cbf durch eine Bekannte und meldete sich dann zu einer Rolliwanderung an. Hier lernten wir uns kennen und so bin ich meist einmal die Woche bei ihr.

Katrin ist 57 Jahre alt, in Mannheim geboren und aufgewachsen bei Köln. Ihre Eltern kommen aus Hannover. Sie ist seit Juli 1987 in München und wohnt seit 13 Jahren am Ackermannbogen in ihrer behindertengerechten Wohnung. Sie wohnt aber nicht ganz alleine, sondern lebt mit ihrer sehr anhänglichen und unglaublich lieben Katze, namens „Lilly“, (16 Jahre alt) zusammen. Mit 6 Jahren kam Lilly zu ihr und ist ihre treue Begleiterin, wie Katrin so schön sagt.  

Hört man sich im Freundes- und Bekanntenkreis um, so sind die Unternehmungslustigen, die Kino-, Theater- und Konzertgänger deutlich in der Minderheit. Zu viel Organisationsaufwand, zu wenig Zeit oder kein Interesse. Für uns Menschen mit Mobilitätseinschränkungen tun sich zusätzliche Erschwernisse auf: Wird das Theater ohne Stufen zugänglich sein? Hat das Kino eine barrierefreie Toilette? Komme ich alleine an meinen Sitzplatz im Konzertsaal? Nicht wenige potentielle Besucher schrecken diese Unwägbarkeiten ab und sie bleiben lieber zuhause. Andere, auch in unserem Club, haben zu Konzert- und Operngemeinschaften zusammengefunden und genießen so gemeinsam das reichhaltige kulturelle Angebot Münchens. Es gibt auch Vereine wie beispielsweise KulturRaum München, die eine Teilnahme am kulturellen Leben fördern, indem sie kostenfreie Tickets für Kulturveranstaltungen vermitteln.

Der Seehof in Herrsching ist ein Ausflugstraum – vorher vielleicht eine kleine Dampferfahrt?

Seestr. 58, 82211 Herrsching
Tel.: 08152 93 50
www.seehof-ammersee.de
 

Der Seehof liegt direkt am Dampfersteg, mit Blick auf den Ammersee, was will man mehr? Man muss sich nur vom Bahnhof zum See bewegen - und schon ist’s wie im Urlaub. Der romantische Weg: Vom Bahnhof erst ein Stückchen nach links am See entlang bis zur Minigolfanlage – mit Café und Rolli-WC. Dort kann man schon mal die erste Pause einlegen und vielleicht auch etwas golfen? Dann zurück bis zum Dampfersteg und weiter auf der anderen Seite am See entlang bis zur rollstuhlgerechten Baderampe. Hier kommen die Wasserratten auf ihre Kosten. Umkleide und WC gibt es auch. Dann geht es wieder zurück zum Dampfersteg. Nun muss man entscheiden, ob man gleich im Seehof einkehrt  oder erst mal eine Schifffahrt einlegen möchte. Mit der neuen MS Utting ist das das reinste Vergnügen. Man gelangt mit dem Aufzug bis zum Oberdeck, alles barrierefrei (inclusive WC). Also entschieden: Erst zur See fahren und dann ab in den Seehof.!