Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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2020-09 September

Diese Information wurde uns mit der Bitte um Veröffentlichung zugeleitet.


Liebe cbf-Mitglieder,

die Stadt München führt eine Online-Befragung zur Taxinutzung durch: www.muenchen.de/taxibefragung.
Wir alle wisssen, dass Menschen im Rollstuhl normale Taxis nur nutzen können, wenn sie sich umsetzen können und der Rollstuhl in den Kofferraum passt. Da das längst nicht allen möglich ist, sollen inklusive Taxis beschafft werden, bei denen man wie bei den Fahrdiensten im Rollstuhl sitzend befördert werden kann und nicht mehr als den normalen Fahrpreis zahlen muss. Die Stadt München gibt den Taxiunternehmen einen Zuschuss für den barrierefreien Umbau ihrer Fahrzeuge. Trotzdem geht kaum etwas voran.

Vielleicht hilft die Umfrage, die Lage schneller zu verbessern. Deshalb bitte ich herzlich um die Teilnahme! Sie muss bis 9.10. erfolgen. Es wird auch gefragt, ob eine Mobilitätseinschränkung vorliegt, warum man das Taxi nicht nutzt und unter welchen Voraussetzungen man es öfter nutzen würde. Die Beantwortung dauert nicht viel länger als diesen Text zu lesen.

Herzlichen Dank im Voraus!


Liebe Mitglieder, liebe Freunde,

Pandemiezeit ist Ausnahmezustand. Schon klar. In einer Situation wie dieser müssen wir ALLE auf liebgewonnene Gewohnheiten und wertvolle Freiheiten verzichten. Das gilt selbstverständlich auch für uns Menschen mit Behinderungen.

Nur: Wenn ALLE verzichten müssen, müssen eben auch ALLE profitieren, sobald es Lockerungen gibt. „Risikogruppe“ (zu der übrigens längst nicht ALLE Menschen mit Behinderung gehören!) darf nicht vom kurzfristigen Schutzetikett zum dauerhaften Stigma mutieren. Man darf und MUSS auch uns Menschen mit Behinderung zutrauen, verantwortliche und abgewogene Entscheidungen in Bezug auf unsere Gesundheit zu treffen und selbst zu beurteilen, welche Risiken wir eingehen wollen und welche nicht. So etwas nennt man? Genau. Selbstbestimmung.

Leider ist die oft etwas zerbrechliche Prinzessin Selbstbestimmung wohl pandemiebedingt ein wenig eingenickt, während sie am dünnen Faden der Inklusion gesponnen hat. Jedenfalls ist derzeit bedauerlich wenig von ihr zu hören und zu sehen. Beteiligungsprozesse sind auf Eis gelegt, Gremien und Verbände werden zu wenig in Konzepte und Strategien eingebunden. Was in den Zeiten der akuten, äußerst unberechenbaren Notlage, wo spätestens alle paar Tage im Eiltempo neue Verfügungen und Verordnungen mit neuen Regeln erlassen werden mussten, durchaus vertretbar und in Ordnung war, muss jetzt so schnell wie möglich ein Ende nehmen. Die alten Mechanismen der Mitbestimmung müssen unbedingt schnell wieder ins Laufen kommen. Und neue müssen etabliert werden. Denn langfristige Exit-Strategien, Hygienekonzepte, Schichtpläne für die Belegung von Werkstätten und Fördereinrichtungen unter Einhaltung der Corona-Regeln – all das geht auf keinen Fall ohne die Menschen mit Behinderungen, ihre Betreuer und Angehörigen!  

Zum Schluss wieder mein Appell an Sie/Euch: wenn Euch/Ihnen etwas besonders wichtig ist, dann schreibt/schreiben Sie doch einfach mal etwas darüber für die Clubpost! Wir suchen immer wieder Geschichten, Fotos und Reportagen. Schickt/schicken Sie uns einfach eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder ruft/rufen Sie uns an im Club-Büro unter 089 356 8808.

Viel Spaß mit der Clubpost und bei allen Aktivitäten des CBF (von denen einige jetzt endlich wieder laufen!) wünscht Ihnen/Euch  

Holger Kiesel. Bleibt/bleiben Sie gesund!  

 

In dieser Ausgabe lädt Sie Michaela Schlereth zu einer Rolliwanderung von Ohlstadt nach Eschenlohe ein, Günter Fieger-Kritter setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit es in der Innenstadt ausreichend Behindertenstellplätze gibt und Hanne Kamali berichtet vom Faszinosum pinker Schuhe. Carola Walla erzählt von einer Reise nach Paris zu Zeiten von Corona. Ein Leserbrief von Ingrid Gruel sowie ein Ausflug Hanne Kamalis in die Welt von Gans am Wasser und Gans Woanders runden diese Ausgabe ab.
Liebe Wanderfreunde,

auch im September sind wir wieder mit der Werdenfelsbahn unterwegs, da die BOB mit den neuen Zügen leider nicht mehr überall barrierefrei ist. Da muss ich vorher noch einiges überprüfen.  

Wir fahren mit der Werdenfelsbahn bis Ohlstadt und wandern/rollen von dort bis Eschenlohe: geteerte Wege sowie Waldwege (2 stärkere Steigungen), ein paar starke Schieber sind bei dieser Wanderung von Nöten. Es erwarten uns ca. 6 km. Auch diese Wanderung findet nur bei trockenem Wetter statt –  

Natürlich könnte ich als Rollstuhlfahrerin auch meine Befindlichkeit während dieser ungewohnten Zeiten negativ bis zur Ohnmacht schildern.

Nur so viel: Lesen ist mein Hobby!

So erwarte ich natürlich auch unsere Clubpost, da es wieder was zu lesen gab: Aber ich erwarte kein Trauerblatt. Ich hätte es mir sparen sollen:

Nur negative Schilderungen und Beschwerden über Irgendetwas: Wer sagt mir, dass es den Betroffenen ohne Behinderungen besser gegangen wäre? Ich wäre so dankbar, wenn diese „Mitstreiter“ sich nicht so herunter machen würden. Leute: Wo wir sind, ist oben! Ihr habt doch alle Grips. Werde ich von Freunden bedauert, weil ich armes Schwein im Rollstuhl sitze, frage ich sofort nach ihren Betätigungen, ohne Rollstuhl. So viel Beneidenswertes kommt nicht herüber. Kaffeetrinken mit Freundinnen. Kurze Urlaubsreisen zu Zielen, wo ich längst schon gewesen bin. Friseur, Zahnarzt, Kreuzworträtsel mit dem Partner! Kann mich nicht aus dem Rollstuhl reißen. Ich komme mir nicht als 2. Garnitur vor. Ich möchte Euch auch hier nicht einreihen und herunterziehen lassen. Außerdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich einmal dafür zu bedanken, dass es Institutionen gibt, die sich Gedanken über unsere Befindlichkeiten und Erleichterungen im täglichen Lebensablauf machen und zum Teil sich dafür einsetzen, dass etwas in Angriff genommen wird. Vielen reicht es nicht. Natürlich ist es immer wieder ein Kampf, etwas zu erreichen, Aber das war es ohne Behinderung und Rollstuhl auch!

Jeden Montag hole ich meinen Enkel, der gerade seinen vierten Geburtstag gefeiert hat, vom Kindergarten ab. Auf dem Heimweg diskutieren wir die Motorräder und Autos, denen wir begegnen – wobei ich definitiv im Hintertreffen bin. Oder wir reden über Dinosaurier – der größte oder schnellste, Pflanzen- oder Fleischfresser ...  

Letzten Montag hatten wir ein ganz neues Thema. Er hat mir seine Schuhe gezeigt und ich durfte die neuen blauen Sportschuhe bewundern. Ich hatte sie schon bemerkt. Sie sind noch etwas groß, auf Zuwachs, und er lief wie der Storch im Salat. „Oma schau da drüben der Junge, der hat auch solche Schuhe wie ich.“ „Aha, ja, stimmt.“  

Was macht man diesen Sommer, wenn es einen runden Geburtstag zu feiern gibt, aber gerade bei Feiern die Ansteckungszahlen so hochgehen. Das Feiern im Garten selbst, wenn er groß ist, hat seine  Tücken, es gibt keine Schönwettergarantie, das macht das Planen fast unmöglich.

Also kam uns die Idee, eine Reise wäre doch schön, und was liegt da näher, als nach Paris zu fahren, wo wir doch so lange schon einmal wieder hinwollten.

Die Anreise mit dem TGV (ICE) dauert 6,5 Stunden, das ist mit Maske ganz schön anstrengend, es ist auch schon beängstigend, dass sämtliche Sitze belegt sind. Die Rückfahrt war dann noch viel unangenehmer, da es so heiß war. Aber was hält man nicht alles für sein Vergnügen aus!

Das Hotel, ganz in der Nähe vom Gare de l´Est, war schön zentral gelegen an der Straße zum Canal St. Martin in einem Viertel, wo viele junge Leute abends ausgehen. Voll belegt war das Hotel nicht, an den Wochenenden natürlich stärker, und wo sonst lauter ausländische Touristen anzutreffen sind, waren fast nur Franzosen. Mit dem Frühstück war das Personal heillos überfordert, da ein Buffet verboten war, bekam jeder Gast ein Tablett mit Croissants und Pain au Chocolat, das mit Klarsichtfolie umwickelt war (Coronazeiten befördern also doch den Klimawandel), mehr Personal stand nicht  zur Verfügung, deshalb gab es regelmäßig einen Stau. Man konnte aber schön im Innenhof frühstücken, da dies auch der einzige Ort war, wo geraucht werden durfte, musste man dies natürlich in Kauf nehmen. Das Hotel verfügte über einen Aufzug, der sehr schnell die fünf Stockwerke miteinander verband, da wir im 5. Stock wohnten und es noch dazu sehr heiß war, fuhren wir oft damit. Draußen stand ein Schild „Nur für 2 Personen erlaubt“. Einmal erlebten wir folgendes, als wir zu zweit im Aufzug waren, wollte ein weiteres Paar zusteigen, wir sagten daraufhin (auf Französisch), dass der Aufzug nur für 2 Personen ist, das Paar stieg trotzdem ein, wir stiegen aus. Daraufhin sie wieder aus und ich hörte noch wie der Mann auf Spanisch schimpfte, immer diese Franzosen! Ich zu meinem Mann, gut, dass sie nicht gemerkt haben, dass wir Deutsche sind!

Wie schnell kann sich doch das Leben von einem Tag auf den anderen verändern. Nach einem schweren Bergunfall als 28-jähriger Student und einjährigem Krankenhaus-Aufenthalt in einer Rehaklinik sahen meine Mobilitätsmöglichkeiten völlig anders aus. Gehen war nur mehr mit Krücken und beidseitigen Gehschienen, die von den Fußsohlen bis zu den Oberschenkeln reichten, möglich. Die Reha-Ärzte attestierten eine außergewöhnliche Gehbehinderung, auch eine solche Klassifizierung musste ich erlernen. Gehen mit Krücken und Beinschienen war also ab diesem Zeitpunkt nur mehr äußerst beschwerlich und schweißtreibend!

Letztlich bestimmte damit der Pkw den Radius meiner verbliebenen Mobilität. Viele andere meiner beliebten Sport- und Mobilitätsvarianten wie Radfahren, Berg- und Skitouren, Tanzen und Flanieren waren nicht mehr möglich, und wenn überhaupt, nur äußerst beschwerlich und mühsam. Das heißt in der Konsequenz, den sehr reduzierten Möglichkeiten, das Beste draus zu machen, und mit Hilfe von Krankengymnastik, Energie und dem Schweinehund die Zähne zu zeigen, das Menschenmögliche erreichen. Trotz alledem, der Pkw blieb Dreh und Ausgangspunkt aller verbliebenen Mobilität. Es galt schnell zu lernen, am Endpunkt einer Anfahrt wird ein Parkplatz für das Auto gebraucht, verbliebene Gehwege sollten nicht länger als 150 bis 200 Meter lang sein.

Gans am Wasser Siegenburger Str. 41 
Gans Woanders Pilgersheimer Str. 13

Vorhang auf. Kasperl steht alleine auf der Bühne und schaut suchend um sich. 

Kasperl: „Wo ist denn die Gans? Grad eben war sie doch noch da.

“ Ruft laut: „ Gans wo bist du?“ 

Auftritt Seppel: „Na, die ist am Wasser. Da hab ich sie grad gesehen, die Gans, am Wasser.“ 

Kasperl: „Und die andere? Wo ist die denn?“ 

Seppel: „Die ist wo anders, Gans Woanders.“

Kasperl:„Ja wo denn?

Seppel: „In Untergiesing halt.“