2017-08 August


Liebe Mitglieder, liebe Freunde,

es ist wieder Urlaubszeit! Für Menschen mit Behinderung ist die Gestaltung der schönsten Zeit des Jahres oft eine riesige logistische Herausforderung! Viele schwierige Fragen sind zu klären: Wo finde ich eine barrierefreie Unterkunft? Wer fährt mich zu meinem Reiseziel? Wo kann ich mit dem Rollstuhl schwimmen oder wandern fahren?  

Alle, die nicht in die Ferne wollen (oder sich eine größere Reise einfach nicht leisten können), finden Antworten auf viele dieser Fragen (besonders für München und Umgebung) hier, auf der Homepage des CBF München.

Ob barrierefreie Lokale, rollstuhlgerechte Ausflugsziele, die Standorte der Behindertentoiletten oder der passende Fahrdienst: All das und noch mehr ist gesammelt auf der Internetseite unseres Vereins oder kann bei den fleißigen Helferinnen und Helfern im CBF-Büro erfragt werden! Sogar zwei behindertengerechte Ferienwohnungen im Bayerischen Wald haben wir anzubieten! Da ist bestimmt zumindest für fast alle was dabei!

Und für alle, die zwar nicht im Großraum München, aber dennoch in Bayern einige schöne Urlaubstage verbringen möchten, hier zwei besondere Ausflugstipps außerhalb der Landeshauptstadt:

In Bayreuth hat vor kurzem Bayerns erste inklusive Jugendherberge eröffnet. Etwa die Hälfte der Zimmer ist barrierefrei und es werden auch spezielle Stadtführungen angeboten. Außerdem arbeiten dort auch zahlreiche Menschen mit Behinderung! Ich finde, es sollten unbedingt möglichst viele junge Leute mit Handicap testen, ob der Neubau auch hält, was er verspricht! Mehr Infos unter www.jugendherberge.de

Der Baumwipfelpfad Bayerischer Wald in Neuschönau ist barrierearm gestaltet. Es gibt Treppenlifte und keine Steigung hat mehr als 6%. Bei Bedarf kann auch ein Rollstuhl oder Rollator vor Ort ausgeliehen werden. Die Gegend ist auf jeden Fall einen Besuch wert! (www.baumwipfelpfad.bayern)

Und wer nicht wegfahren will (oder kann), kommt einfach zu den Stammtischen des CBF im August!

In dieser Ausgabe schreibt Julian Schorr über eine Expertenanhörung zur Fortschreibung des bayerischen Aktionsplans „Inklusion“ und Peter Pabst berichtet über die Leitung des AK Wohnen im Behindertenbeirat des Landkreises München. Wolfgang Vogl stellt Ihnen ein Werk von Marc Quinn vor, Michaela Schlereth erzählt, was einem passieren kann, wenn man sein Handy verliert und Hanne Kamali hat passend für den August eine Reihe von Seekiosken für Sie parat.

Viel Spaß mit der Clubpost und bei den Aktivitäten des CBF sowie natürlich eine schöne und erholsame Urlaubszeit wünscht Ihnen/Euch  

Holger Kiesel
Am Donnerstag, den 13. Juli 2017 fand im bayerischen Landtag eine Expertenrunde zur Fortschreibung des bayerischen Aktionsplans "Inklusion" statt. In dieser Runde wurde darüber gesprochen, wie weit die Umsetzung des Aktionsplans fortgeschritten ist, mit welchen Schwierigkeiten man zu kämpfen hat und welche Entwicklungen positiv zu bewerten sind. Zudem konnten die Experten von Behindertenverbänden und weitere Akteure der Behindertenhilfe Forderungen und Ideen in Bezug auf die Fortschreibung des Aktionsplans aufstellen und einbringen.

Die Diskussion wurde auf Grundlage einer Evaluation der Firma Prognos geführt, die von der bayerischen Staatsregierung beauftragt worden war, die Umsetzung des Aktionsplans zu dokumentieren und kritisch zu beleuchten. Die Teilnehmer wurden auch über Aktivitäten der bayerischen Staatsregierung aufgeklärt.  

Zu den stark diskutierten Themen gehörten die Maßnahmen zu Partizipationsverfahren, denn Menschen mit Behinderung sind sehr oft nicht an wichtigen Entscheidungen beteiligt. Weiter wurden die Themen inklusive Bildung sowie Wunsch- und Wahlrecht heiß diskutiert, da bestehende Vorschriften nicht umgesetzt wurden. Bezüglich der Bildung gibt es leider immer noch sehr, sehr viele bauliche, geistige und organisatorische Barrieren zu beseitigen. An dieser Stelle möchte ich sagen: „Das Geld ist da, aber der Wille fehlt!“. Kritisiert wurde auch, dass der Begriff der persönlichen Assistenz kaum im Aktionsplan erwähnt wird und dass ambulante Strukturen auf der Strecke bleiben.  

Seit seiner Gründung ist der CBF Mitglied im Behindertenbeirat des Landkreises München. Dieser hat 2014 die Erstellung eines Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Auftrag gegeben, der 2016 veröffentlicht wurde.

In dem Plan wird eingangs der Ist-Stand der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung im Landkreis aufgezeigt und im Hinblick auf ein noch zu schaffendes inklusives Gemeinwesen Handlungsbedarf in allen Lebensbereichen aufgezeigt. Viele Maßnahmen werden unter Berücksichtigung aller zu Beteiligenden benannt und aufgelistet. Als Motor dieses Prozesses hat sich der Behindertenbeirat vorgenommen, Schritt für Schritt und Themenbereich für Themenbereich die erforderlichen Projekte anzustoßen, zu begleiten und umzusetzen.  

Aktuell werden sogenannte Auditgruppen eingerichtet. Wir als CBF haben uns bereit erklärt, aufgrund der sich immer weiter zuspitzenden Lage im Bereich „Wohnen“ und unserer jüngst verstärkten Aktivitäten auf diesem Sektor hierfür Verantwortung zu übernehmen. Wir glauben, dass unser Engagement, unsere Erfahrungen und die damit verbundenen Erfolge, die bereits in der Stadt München in den vergangenen 40 Jahren vieles bewegt haben, auch im Landkreis positive Entwicklungen in Gang setzen können.

Auf dem Heimweg nach einem Konzert spät abends kam Susanna ihr iPhone abhanden. Wegen der Dunkelheit konnten sie und ihre Mutter es nicht finden und machten sich am nächsten Tag auf die Suche.  

Susanna konnte den Ort gut eingrenzen und war sicher, dass das Handy am Gärtnerplatz verloren gegangen war. Nun wurde von ihr und ihrer Mutter das gesamte Gärtnerplatzviertel abgesucht und alle Anwohner und Läden informiert. Auch die Polizei wurde gerufen und half mit. Sie konnte das Handy in einem Wohnhaus am Gärtnerplatz orten. Leider konnte es wegen der dicken Wände nicht genauer lokalisiert werden, weshalb die beiden jungen Polizisten mit Frau Ohly sämtliche Bewohner des Hauses befragten. Es fand sich jedoch niemand, der über den Verbleib des Handys etwas wusste. Nun kam ich mit dazu und ging mit Susanna erst einmal ein Eis essen. Der freundliche Eismann erkundigte sich sofort, ob das Handy bereits gefunden worden sei.

Wir haben dieses Jahr in mehreren Beiträgen das Thema „Sexualität und Behinderung“ thematisiert. Das reichte von einem Bericht über die Forderung nach finanziellen Leistungen für die Inanspruchnahme von Sexdiensten für Menschen mit Behinderungen durch die pflegepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag über die Vorstellung des Films „Sex & Love & Rocknrollstuhl“ bis hin zu dem Hinweis auf die im Juni stattfindende Performance „Fucking Disabled“. Eigentlich hatte unser Mitglied Richard J. Schaefer vorgehabt, die Performance zu besuchen und an dieser Stelle ausführlich darüber zu berichten. Nachdem die Presse sich sehr positiv darüber geäußert hat, war ich sehr gespannt.  

Aus dem geplanten Besuch ist leider nichts geworden, da Richard J. Schaefer krankheitsbedingt nicht nach München kommen und daher auch die Performance nicht besuchen konnte. Das tut uns sehr leid und wir wünschen auf diesem Wege gute Besserung!

Eine für den Artikel geplante Fotografie einer Skulptur von Marc Quinn von 2001 möchte ich Ihnen aber dennoch nicht vorenthalten. Sie trägt den Namen „Kiss“ und war bis 23. Juli in der sehr sehenswerten Ausstellung „Love. Die zeitgenössische Kunst begegnet der Liebe“ (Übersetzung W.V.) im Museo della Permanente in Mailand zu sehen.

Wolfgang Vogl
Kioske mit Seeblick – da kühlt schon die Aussicht
 

H2O Strandcafé & Kiosk
Birkenallee 54, 83233 Bernau am Chiemsee
Tel.: 08051 9 71 60
http://www.h2o-bernau.de/

il kiosko
Seepromenade 19, 82237 Steinebach
Tel.: 08153 9 01 50 33; 0171 3 41 09 55
http://www.il-kiosko.de/2.html

Seewirtschaft am Reifinger See
Reifinger Str. 20, 83224 Grassau

Ein Sommerausflug ans Wasser muss ja nicht immer gleich die Welt kosten. Wie wär‘s mal mit einem Kiosk-Besuch am See? Wir haben ein paar richtig schöne Kioske gefunden, natürlich nur solche mit Rolli-WC – die gibt es erstaunlich oft. Wenn die oberste Priorität gutes Essen ist, regional und richtig frisch, dann wär das H2O das Ziel. Man schaut ganz entspannt auf den Chiemsee und verzehrt zum Beispiel ein resches Wiener Schnitzel und dazu ein Flötzinger Bräu, wie wär’s?  

Oder lieber Italienisch? Im il kiosko hat sich das Ehepaar Aurigemma sein italienisches Idyll am Wörthsee geschaffen. Es hat ihr Restaurant im Ort zugunsten dieses schönen Kiosks aufgegeben. Es gibt Pizza und Pasta, aber auch spezielle französische Pommes und Grüntee aus dem nahen Hechendorf (dass der dort wächst?). Das Beste sind die Öffnungszeiten. Der Kiosk hat immer und zu jeder Jahreszeit, sobald es schön ist, geöffnet. Im Zweifelsfall, das heißt, falls man nicht sicher ist, ob es nun schon schön genug ist, kann man den Wirt einfach anrufen.  

Dieser Begriff wurde von der Stiftung Leben pur für supertolle neue WC-Anlagen für Menschen mit Behinderung geprägt. Für Menschen, die dieses Projekt nicht kennen, erschließt sich der Begriff nicht selbstverständlich. Es dürfen ja nicht „alle“ rein in diese WCs.

Begriffsklärung am Beispiel Dusche. Am Flughafen München gibt es nicht nur eine wunderbare Toilette für alle, sondern auch eine Dusche für alle. Den Schlüssel, der kein Euro-Schlüssel ist, kann man sich, wenn man einen Schwerbehindertenausweis hat, holen. Die Dusche bietet alles, was ein Mensch mit Handicap zum Duschen braucht, von der Liege über den Lifter bis zu flauschigen, frischen Handtüchern. Also sehr exklusiv, einerseits in der Bedeutung des Wortes „höchsten Ansprüchen genügend, vornehm und vorzüglich“ und andererseits auch in der Bedeutung „ausschließlich einem bestimmten Personenkreis oder bestimmten Zwecken, Dingen vorbehalten“ (beide Zitate aus dem Duden).

Wieder tolle Stimmung beim Sommerfest! Und Glück mit dem Wetter, nachcem es anfang snicht gut aussah war es dann doch schön und nicht zu heiss. Schön, dass ihr da wart! Und die nicht da waren - hier seht ihr, was ihr verpasst habt1