Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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2018-04 April

Liebe Mitglieder, liebe Freunde,

eine junge Frau aus Schleswig-Holstein hatte vor kurzem eine Idee: der 15jährigen Hannah Kiesbye gefiel es nämlich gar nicht, dass auf dem rot-grünen Dokument, das sie immer bei sich trug, "Schwerbehindertenausweis" stand. Das entsprach so gar nicht ihrem Selbstbild. Deshalb schrieb die Schülerin mit Down-Syndrom einen Artikel in einer Zeitschrift darüber und gab ihrem eigenen Ausweis auch gleich einen neuen Namen: "Schwer-in-Ordnung-Ausweis".

Und siehe da: Diese schöne Idee wurde von der Lebenshilfe aufgegriffen und mittlerweile auch schon in einigen Bundesländern offiziell umgesetzt. Inzwischen kann man in Hamburg, Brandenburg und Rheinland-Pfalz einen "Schwer-in-Ordnung-Ausweis" bekommen. Niedersachsen hat sogar einen Ideenwettbewerb für einen neuen Namen des "Schwerbehindertenausweises" gestartet: dort kriegt man nun entweder einen "Schwer-in-Ordnung-Ausweis" oder einen "Teilhabeausweis".

Und Bayern? Das hiesige Sozialministerium sagt, es sei für die Idee einer Umbenennung des Schwerbehindertenausweises offen, wenn die Menschen mit Behinderung diesen Wunsch äußern würden. Also sollten wir vielleicht genau das tun: zu den zuständigen Behörden hingehen und uns alle unseren nagelneuen "Voi-Guad-Ausweis" abholen!

Oder haben Sie/habt Ihr noch andere phantasievolle Namensvorschläge für den alten "Schwerbehindertenausweis"? Dann lasst sie uns doch einfach alle an das Bayerische Sozialministerium schicken! Vielleicht erhält dieses etwas angestaubte bürokratische Dokument ja auch bei uns bald eine neue Bezeichnung, die ein bisschen positiver und lebensbejahender klingt! Wäre doch schön, oder?

Apropos schicken: Haben Sie/habt Ihr ein Thema für die Clubpost, das Ihnen/Euch besonders am Herzen liegt? Dann schreibt/schreiben Sie uns doch einfach! Wir freuen uns immer über neue Beiträge und Geschichten. Schickt/schicken Sie uns einfach eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder ruft/rufen Sie an im Club-Büro unter 089/356 540 74.  

In dieser Ausgabe lädt Michaela Schlereth zu einem hoffentlich frühlingshaften Rolliausflug nach Salzburg ein und Peter Pabst bringt Sie auf den neuesten Stand, wie es mit der uns bewilligten EUTB-Stelle weitergeht. Oscar Wolf hat uns einen beeindruckenden Leserbrief über seine Erfahrungen im Bereich Arbeit geschrieben, den wir Ihnen nicht vorenthalten wollen, und Hanne Kamali lockt natürlich auch im April in ein Lokal des Monats.

Viel Spaß mit der Clubpost und bei den Aktivitäten des CBF wünscht Ihnen/Euch Holger Kiesel
Liebe LeserInnen der Clubpost,  

wir möchten Ihnen/euch die Leserbriefe, die wir bekommen, nicht vorenthalten - auch, wenn sie uns sehr scharf kritisieren. Da sie aber den Umfang der Clubpost sprengen würden, haben wir uns entschlossen, sie extra auf der Homepage für jeden einsehbar einzustellen. Die Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Zu Herrn Holzners Kritik ist lediglich anzumerken, dass wir ein kleiner Verein sind, der nicht alle Themen, die Menschen mit Behinderung interessieren, aufgreifen kann. Das ist eher eine Forderung, die man an den VDK stellen kann, der auch Rechtsberatung durchführt. Wir haben uns auf die Sachgebiete, die man auf der Homepage anschauen kann, spezialisiert. Außerdem sind unsere Autoren in der Regel ehrenamtlich tätig, dabei sind wir immer darauf angewiesen, dass sie über bestimmte Sachgebiete schreiben wollen und sich dort einarbeiten.

Die Redaktion
Liebe Wanderfreunde,

im April werden wir Salzburg besuchen. Da das Wetter zu dieser Zeit sehr wechselhaft ist, eignet sich ein Stadtbummel gut für unsere monatliche Wanderung. Wir rollen also gemütlich durch Salzburg, durch den Mirabellgarten und wenn das Wetter es zulässt, fahren wir mit dem Lift auf den Mönchsberg um die schöne Stadt auch noch von oben zu genießen.

Wege geteert, keine Steigungen, teilweise Kies, gesamt maximal ca. 8 km.

Wie in unserer letzten Ausgabe gemeldet, haben wir seit dem 05. Februar die Nachricht, dass unser Antrag auf eine Beratungsstelle im Rahmen der „Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung“ positiv beschieden wurde. Wir hatten euch ja schließlich gebeten, uns die Daumen zu drücken – das hat, scheint es, geholfen!

Doch von der Genehmigung ist schließlich noch ein weiter Weg zur Umsetzung! Es gibt viel zu tun, eine Menge guter Ideen und unzählige noch zu klärende Fragen werden uns die nächsten Wochen beschäftigen. Wie bereits in der ClubPost vom Februar beschrieben, wird es nicht leicht sein, geeignete Bewerber zu finden, die dem hohen Anforderungsprofil aus der Richtlinie der Förderung entsprechen. Bundesweit werden ca. 1000 Stellen mit Teilhabeberatern besetzt werden, welche aufgrund ihrer Behinderung als „Experten in eigener Sache“ dem Peer-Counseling-Ansatz gerecht werden und idealerweise zudem über ein entsprechendes Studium verfügen. Eine Broschüre des Arbeitgeberservice für schwerbehinderte Akademiker listet bundesweit genau 29 anonymisierte Profile interessierter Bewerber für diese Stellen auf – ein Tropfen auf den heißen Stein.

Unter obigem Titel hatten wir in unserer Doppelausgabe das diesjährige Jahresthema „Arbeit“ angekündigt und auch Sie darum gebeten, uns Ihre Erfahrungen und Wünsche mitzuteilen. Daraufhin erreichte uns folgender sehr persönlicher Leserbrief von Herrn Wolf, den wir in voller Länge abdrucken, da er aus unserer Sicht sehr anschaulich vor Augen führt, welche Bedeutung eine angemessene Arbeit für alle hat:  

 

„Geretsried, den 26.12.17  

 Sehr geehrter CBF! Sehr geehrter Herr W. Vogl!

 Ich heiße Oskar Wolf, bin 56, seit langem Mitglied des CBF, somit auch Empfänger des Rundschreibens 12/17& 01/18, in dem Sie um Zusendung von Erfahrungswerten bezüglich der Jobsuche im Artikel „Arbeit ist des Lebens Würze“ bitten.  

Ich erlitt bereits 1983 eine Schädel-Hirn-Verletzung in Rumänien und wurde erst 4 Monate in Deutschland behandelt, kann Ihnen, nach zahllosen Strapazen, endlich diesen Brief schreiben.  

 Hier nun meine autodidaktischen Bemühungen und anschließend meine Erfahrungen und meine Wünsche.

 Zunächst: Tätigkeit der Abfallbeseitigung

 Als gelernter Techniker und begeisterter Autodidakt war es mein persönliches Ziel, sachgerecht zu entsorgen, da der Beitrag zur intelligenten Wiederverwertung den seelischen Schmerz bei meinem erlittenen Berufsabstieg etwas lindert.  

Beschreibung meiner autodidaktischen Bemühungen :

Aneignung des Tölzer Entsorgungskonzeptes und  dessen Anwendung im Rahmen meiner Mitarbeit in den „Isarwinkler Werkstätten“ Bad Tölz  

Die Isarwinkler Werkstätten –IWW- sind ein Verbund von Reintegrationsfirmen und haben die Wiedereingliederung neurologisch Erkrankter in den 1. Arbeitsmarkt zum Ziel.  Vergeblich suchte ich (Arbeitsamt, -agentur, WfB Geretsried und Gaisach sowie Internet) nach einer mir angemessenen Tätigkeit, fand aber nur unbefriedigende Arbeit. Erst in der neu gegründeten IWW, wo ich gefordert wurde- u.a. mit technischem  Zeichnen und Umgang mit dem PC - fühlte ich mich „angekommen“ . Aber meine wahre Bestimmung fand ich in der von mir initiierten sachgerechten Abfallentsorgung.

Den Opfern der Euthanasie gewidmet. Bildungsreise zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Rolf Haubenreisser war erst neun Jahre alt, als er 1945 in der niederbayerischen „Heil- und Pflegeanstalt“ Mainkofen verhungerte. Die Nationalsozialisten ließen ihn sterben, weil er geistig behindert war und sein Leben als „lebensunwert“ galt.
Zur Erinnerung an ihn und alle Opfer der Euthanasie führt der Kurt-Eisner-Verein München am 4.-5. Mai eine Bildungsreise zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Schloss Hartheim in Österreich durch. Die Reise ist barrierefrei und behindertengerecht. In dem mit Lift versehenen Bus stehen vier Rollipätze zur Verfügung; Seh- und Hörbehinderte erhalten Hilfe und Unterstützung. Kosten: 185 Euro pro Person im Doppelzimmer; 30 Euro Aufschlag für ein Einzelzimmer. Die Reise mit dem Bus ab München, Übernachtung, Frühstück, gemeinsames Abendessen am Freitag und Mittagessen am Sonntag sowie Eintrittspreise sind im Preis inbegriffen. Menschen mit Behinderung erhalten zusätzlich 50% Ermäßigung.

Näheres: https://bayern.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/7FNML/73-jahrestag-der-befreiung-des-kz-mauthausen/
Anmeldung bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel. 089/51996353.
Christiane Hauck
BalanDeli, ein integratives Tagescafé

Balanstr. 73, Haus 31, 81541 München

Tel.: 089 22 84 66 40
www.balan-deli.de

 

An der Balanstraße 73 steht ein Ideencampus – genannt „neue balan“. Ich weiß nicht, welche Ideen in den anderen Gebäuden entwickelt werden, aber sicher ist, dass im Haus 31, in dem die BalanDeli untergebracht ist, ein sehr gutes Konzept realisiert wurde. Eine Initiative aus der Elternschaft der Integrativen Montessori Schule an der Balanstraße hat zusammen mit dem Träger der Schule, der Monte Balan Bildungsträger GmbH, das Konzept für diesen Integrationsbetrieb entwickelt. Hier wurden, auch für Lernbehinderte, als Schritt von der Schule ins Arbeitsleben integrative Arbeitsstellen am ersten Arbeitsmarkt geschaffen. Hier wird bewiesen, dass gewinnorientiertes Wirtschaften und soziale Verantwortung durchaus gut zusammengehen können. Das besondere Konzept fällt beim Essen selbst nicht auf, dafür aber z.B. das schön gestaltete Ambiente. Dahinter steht das Architekturbüro hildmann wilke Architekten, das unter anderem das Sasou am Marienplatz und das Koi am Wittelsbacher Platz entworfen hat. (Das Koi steht auch auf unsrer Gaststättenseite, spielt aber in einer höheren Preisklasse.) Das BalanDeli ist nicht an der Straße, sondern im Innenhof des neuen Areals angesiedelt, gleich bei einem langen, stylischen Swimmingpool. Außerhalb der Betriebszeiten kann man die ganze Location für Veranstaltungen mieten – inklusive Pool und Terrasse. Mitten im Raum steht ein schöner, langer Tisch, an dem auch viele Rollstuhlfahrer Platz haben können.