Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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Bea (50) und Matthias (51), wohnhaft in Aachen, kommen bereits seit 2014 in unser schönes Gästeappartement neben unserem CBF-Büro.
Schon beim ersten Kennenlernen fiel mir auf, wie liebevoll der Umgang der beiden miteinander ist, und das war auch der ausschlaggebende Grund für dieses Interview.
Kennengelernt haben sie sich im Jahr 2000 durch die MS-Kontaktgruppe (Multiple-Sklerose), die Matthias bereits seit 1988 als Zivi kannte. Bea sagt, er fiel ihr damals schon auf, weil er so groß ist und ihr Herz damals schon bei seinem Anblick tanzte.
Matthias meint darauf hin, dass Beas positive und freche Art ihn immer mehr gefangen genommen hat und als sie ihm einmal wie zufällig einen Kuss aufdrückte, fing er dann doch zu überlegen an.
In ihm steckte noch der Verlust seiner langjährigen Lebensgefährtin, die ebenfalls an MS erkrankt war und er wusste nicht, ob er schon für eine neue Beziehung bereit war.
Sie ließen es langsam angehen. Entscheidend war dann ihre erste Reise nach Berlin, wo sie beide feststellten, dass es mit ihnen einfach super passt!
Geheiratet haben sie mit 60 Gästen im März 2012, zusammengezogen sind sie 2013, nach dem Tod ihres geliebten Vaters.
Sie haben schon viele Länder zusammen bereist wie Südafrika, Kroatien, Südfrankreich, Pyrenäen, Katalonien und Tschechien.
Nach München reisen sie ab und zu, weil die Mutter von Matthias hier wohnt. Er selbst wohnte bereits im Grundschulalter hier, kam durch seinen Vater mit seiner Familie nach Kuala-Lumpur (Malaysia), Athen und Nairobi, machte sein Abitur und zog dann nach Aachen, um ein E-Technik-Studium zu beginnen. Er machte seinen Zivildienst, entschied sich dazu, Biologie zu studieren und arbeitet jetzt als Projektleiter im Bereich Entwicklung von Medizinprodukten.
Bea konnte gerade noch ihre Lehre als Bäckerei-Fachverkäuferin machen, dann kamen auch schon die ersten MS-Schübe. Erwerbsunfähig wurde sie mit 20 und lebt seitdem von ihrer kleinen Rente. Bea erzählt, dass man früher noch mehr „begafft“ wurde, oder fast niemand einem die Tür aufhielt - das hat sich zum Glück geändert!
Matthias:
Unsere Beziehung ist ein Geben und Nehmen, ist keine Samariter-Rolle. Wir geben uns gegenseitig Energie und schätzen unsere wundervolle Partnerschaft.
Bea:
Matthias sieht meinen Rollstuhl nicht, wir sind gleichberechtigte Partner. Meine Tränen von einst sind versiegt, der Rollstuhl ist ein Hilfsmittel und kein Makel. Ich habe mich nie nach dem WARUM gefragt, weil es nichts nützt, man bekommt keine Antwort.
Matthias und Beas Hände berühren sich, nicht zufällig, sie lächeln sich mit diesem leisen Strahlen in den Augen an – und ich bin tief berührt von dieser großen Liebe.
Moni Kremer