Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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Wäre „Daheim in unserem Viertel“ im Duden definiert, wäre es wohl beschrieben als ein Synonym für: „Wir verlegen Ihnen gerne Kunstrasen am Balkon!“; „Ob wir Möbelpacker haben? – Äh Zivis, ja!“; „IKEA Möbel? – Sogar die bauen wir zusammen, der Zivi hat eh einen neuen Werkzeugkasten.“; „Neue Wohnzimmerlampen? – Ja, wir schicken Ihnen unseren Elektro-Zivi äh –Installateur vorbei.“

Immer dann, wenn eine liebenswerte alte Dame bemerkt, dass ihr Kühlschrank gänzlich leer ist und sich ihre Lebensmittelvorräte auf 200g Margarine und 4 Teebeutel beschränken, klingeln beim CBF die Alarmglocken und die Einkauf-Zivis schwärmen aus. Wie die Heinzelmännchen laden sie ihre Klienten mit und ohne Rollstuhl ins CBF-Mobil und sorgen dafür, dass diese vollen Zugriff auf das Sortiment von Edeka, Aldi und Co haben. Wegen Osteoporose muss dann auch mal die Kassiererin auf ihren Drehstuhl verzichten und im Stehen kassieren. Doch nicht nur für den Einkauf werden die Allzweck-Zivis eingesetzt, sondern auch um verlorene Weihnachtsgeschenke wieder zu finden. So befand sich die Perlenkette für die Tochter dann in der Ecke eines Schrankfaches welches sich weit über der Sichthöhe der lieben alten Frau befand...

Gerne werden Zivis auch ohne Waffen in den Krieg geschickt und sollen dann Vorhangstangen ohne Bohrmaschine, Wasserwaage oder ähnlichen Mitteln installieren. Doch auch derartige Aufgaben werden dann mit einer Werkzeug-Kollekte im Viertel gemeistert. Der Trend in der heutigen Zivildienstarbeit geht allerdings in Richtung „Neugestaltung des Balkongesamterscheinungsbilds“. Ein wenig Kunstrasen hier, farbige Balkongitterstoffe da, ein Bisschen aufräumen und als i-Tüpfelchen frische Kunststoffblumen machen Balkonbesitzer restlos glücklich. Nachdem die Balkone wieder in neuem Glanz erstrahlen ist die alte Couchgarnitur aus Echtleder und Massivholz noch ein Dorn im Auge. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Zivi. Und dieser schont weder seine Bandscheiben, noch die Zimmereinrichtung. Obwohl Langzeitfolgen nicht absehbar sind, überleben beide die Operation „Zu große Couch durch zu kleines Treppenhaus“.

Da nun endlich neues Werkzeug im Hause CBF ist, kann sich auch kein IKEA-Fernsehsessel dem ureigenen Basteltrieb des Zivis widersetzen. Was im Werkzeugkasten leider bis heute fehlt ist ein Strom- und Metalldetektor. Damit ließe sich zum Beispiel verhindern, dass der Zivi mit einer 1 zu 4 Chance ins Schwarze trifft und die Elektrik der Wohnung für kurze Zeit gekonnt so manipuliert, dass keine Lampe im Raum trotz Lichtschalter aufhört zu leuchten. Direkt erholsam für die Zivis vom „Daheim in unserem Viertel“-Team sind z.B. Herrschaften, die zwar Zigaretten im Haus haben, jedoch keine Möglichkeit diese zu entzünden und daher frei Haus nach Feuer fragen; oder aber auch exzessive Mensch-ärgere-dich-nicht-Partien mit Spielern, die sowohl gerne mal mitten im Spiel die Spielerfarbe wechseln als auch die Augenzahl des Würfels von hausaus immer auf Sechs aufaddieren. Egal was die Zivis von „Daheim in unserem Viertel“ noch erwartet – das Musikmachen an festlichen Gala-Diners, das Nähen von Krokodilledertaschen oder das Verspeisen von einem 5-Sterne Menü zum Geburtstag eines wildfremden Herren – wir sind bereit!!!