Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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Der Weltraum, unendliche Weiten, dies sind die Abenteuer eines Mannes, der auszog, beim CBF München Zivildienst zu leisten.

Der Zivildienst, zumindest wenn man ihn beim CBF München ableistet, ist alles andere als langweilig. Daher nun im folgenden einige Episoden aus meiner Zivildienstzeit von Juni 2009 bis Februar 2010.

 

Episode 1: Warum Männer im Kino Frauenfilme anschauen

Zu meinen angenehmen "Pflichten" gehörte es, mit einer Klientin etwa einmal pro Monat ins Kino zu gehen. Doch vor dem eigentlichen Besuch stand erstmal das Organisieren: Einen passenden Film unter Berücksichtigung von Inhalt und Zeit aussuchen, Karten reservieren, Fahrdienst bestellen, Pflegedienst informieren, dass dabei des öfteren wegen Kommunikationsschwierigkeiten etwas schief ging, verwundert wohl nicht weiter. Doch war das alles geschafft und saßen wir im Kinosaal, kam der Spaß. Zwar waren die Filme nicht auf mich sondern auf meine Klientin zugeschnitten, doch für kostenloses Kino und Popcorn lässt sich so etwas leicht verschmerzen.

Episode 2: Wenn Schnecken auf einmal schnell sind

Ein regelmäßiges Event war das Spazierengehen mit Klienten bei schönem Wetter. Trotz einer zu Beginn und Ende jeder Spazierfahrt zu überwindenden Höhendifferenz von drei Stockwerken mit Hilfe einer Treppenraupe entwickelte Spazierengehen sich zu einer meiner Lieblingstätigkeiten. Wo sonst kann man in Ruhe durch die Gegend schlendern, ohne sich um irgendetwas Sorgen machen zu müssen, außer wieder rechtzeitig zurück zu sein. Zugleich waren diese Gänge für mich, der eigentlich einen sehr schnellen Schritt drauf hat, eine Übung im Langsamgehen, denn (Achtung: Antiphysiker überspringen das folgende): Je höher die Geschwindigkeit, desto mehr Strecke wird in einer festen Zeit zurückgelegt, was wiederum den insgesamt zum Schieben benötigten Kraftaufwand erhöht. Also langsame Geschwindigkeit = wenig Kraftaufwand.

Episode 3: Vom Zuhören und Trösten

Eine Fähigkeit, die bei verschiedenen Klienten von Nöten war, ist das Zuhören. Das reicht von denjenigen, die mehr oder weniger einen Monolog führen und nichts weiter als "Ja", "mhmm" und "was Sie nicht sagen!" erwarten, bis hin zu denjenigen, die praktische Lebenshilfe-Beratung wünschen. Hier kann man als Zivi aus dem reichen Schatz seiner 20-jährigen Lebenserfahrung schöpfen, wobei auch die manchmal nicht ausreichte! Auch gefragt waren tröstende Worte und Aufmunterungen. Hat man dabei Erfolg, ist das schon ein gutes Gefühl. Aber manchmal, so ganz unter uns: Ein Durchzugsgehör (links rein und rechts wieder raus) ist spätestens dann hilfreich, wenn du die gleiche Geschichte zum zehnten Mal hörst, teilweise sogar während desselben Gesprächs. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass die Leute nichts dafür können.

Episode 4: Wenn Einkaufen zum Desaster wird

Eine regelmäßige Tätigkeit war das Einkaufen für die Klienten. Das Spektrum der Einkaufszettelgenauigkeit reichte dabei von "Milch, egal welche" bis hin zu "Nur Weihenstephan H-Milch, 3,5% Fett, mindestens haltbar bis dannundwann". Besonders erfreulich war "Milch, egal welche" - und wenn man zurück kam, hieß es "nein, die wollte ich auf gar keinen Fall" (was das manchmal für Schimpftiraden gab, die sich die arme Frau Wufka dann am Bürotelefon anhören musste).

Episode 5: Warum Informatiker auch im CBF-Büro gern gesehen sind

Fragt man die "Bürodamen", waren sie wohl ziemlich froh, in mir jemanden zu haben, der bei Computerproblemen mit Rat und Tat zur Seite stand.  Und unter uns gesagt: Computerbasteln ist deutlich angenehmer als Ärztebegehen.
Auch die Webmasterin der Club-Homepage war heilfroh über einen Informatiker-Zivi, fand sie in mir doch einen tollen Helfer (wenn ich mich mal selbst loben darf) für die Homepage als auch für die neu eingerichtete Rolli-Community (die inzwischen leider untergegangen ist), die wir beide gemeinsam entwickelt haben. Der große Vorteil des Ganzen: Da niemand beurteilen konnte, wieviel Zeit die Arbeit an einer Webseite braucht, konnte ich mir meine Arbeitszeit dafür mehr oder weniger beliebig einteilen, so dass ich die letzten Monate meiner Zivizeit sehr viel Zeit am Computer verbrachte. Was wohl auch daran lag, dass unsere Bürodamen als Mütter großes Verständnis dafür hatten, dass ein junger Mann lieber am PC sitzt als an der Spüle steht.

Episode 6: Überhaupt und Sowieso

Blicke ich auf meine Zivildienstzeit zurück, kann ich fast nur Gutes sagen. Zwar gab es hin und wieder mal Aufgaben oder Klienten, die nicht so angenehm waren, doch im Großen und Ganzen waren die Klienten sehr nett, eine besuche ich jetzt immer noch regelmäßig privat. Nicht zu vergessen die Bürodamen, die stets ein offenes Ohr für uns Zivis hatten und uns warmherzig und großzügig beistanden. Und auch die Dienstzeiten und Aufgaben waren im Vergleich zu anderen Zivistellen sehr angenehm.

Ich möchte auch gerne noch extra betonen, welchen Respekt ich vor einigen der Leute gewonnen habe. Sie schlagen sich trotz einer teilweise nur als beschi**en zu beschreibenden Situation mit ungebrochenem Mut durchs Leben und schaffen es trotz allem noch, Freude und Spaß am Leben zu haben. Von daher: Respekt vor so einer Leistung!

Wer also Zivildienst leisten will und Einfühlungsvermögen, Geduld und ein sonniges Gemüt besitzt und gut mit Behinderten umgehen kann oder es lernen will, dem sei der Zivildienst beim CBF wärmstens empfohlen.