Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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Neun Monate ist es nun her, seit Markus Bauer, Vorzeige-Zivi des Club Behinderter und ihrer Freunde e.V., seinen Dienst angetreten hat. Nun befindet er sich in seinem wohlverdienten Urlaub bevor sein Studium beginnt. Doch wir konnten ihn noch am Bahnhof abfangen und ihn zu einem letzten, exklusiven Interview überreden: (gekürzte Version)

 

ZD: „Herr Bauer, danke dass wir sie in ihrem Urlaub stören dürfen. Nach neun Monaten sind sie sicher froh, dass ihr Zivildienst zu Ende ist, nicht wahr?“

MB: „Selbstverständlich freue ich mich nun über meine wieder gewonnene Freiheit. Neun Monate Pflichtdienst können einem viel abverlangen und je weiter der Dienst voranschreitet, desto mehr sehnt man sich nach dem Ende, auch wenn ich mich kaum über meine Zeit beschweren kann.“

[…]

ZD: „Sie arbeiteten ja für den CBF e.V. in München. Man munkelt es wäre dort sehr angenehm als Zivi. Manche meinen sogar es wäre die beste Zivistelle in ganz München. Ist an diesen Gerüchten etwas dran?“

MB: „Auf jeden Fall. Wer Geschichten von verschiedenen Dienststellen zu hören bekommt, wie beispielsweise auf den Lehrgängen, der kann als Zivi des CBFs nur schadenfreudig vor sich hin grinsen. Von „Stechkarten“ und „Frühschicht“ hatte man bei uns wohl noch nie gehört. Die Arbeit begann mal frühestens um 9 Uhr (Vorher sind unsere Klienten einfach selbst noch nicht wach) und die nicht existente Mittagspause konnte ich auch durchaus immer verschmerzen, wenn man in den Stunden zwischen zwei Klienten machen konnte, was man wollte. Eine lockere Chefetage, die immer Verständnis zeigte, wenn Dienstzeit und wichtige Termine, wie Vorstellungsgespräche, sich überschnitten, sorgte für den Rest. Und so gab man sich auch selbst gerne Mühe um alles am Laufen zu halten. Und auch wenn ich froh bin, meinen Dienst endlich beendet zu haben, so bleibt dennoch die Gewissheit, dass man einen sehr angenehmen Job hinter sich lässt.“

ZD: „Wie lief ihr Dienst denn im Einzelnen ab? Wieso war er denn so angenehm wie sie sagen?“

MB: „Die Arbeit lief einem einfach leicht von der Hand. Das Betreuen von Klienten in ihren eigenen Wohnungen ist meist sehr simpel und wird sehr schnell zur Routine, auch wenn darunter die Abwechslung mit voranschreitenden Monaten ziemlich leidet. Dabei deckten Einkäufe, Spaziergänge und Essen gehen sowie kleinere Erledigungen wie Bankgänge, Wäsche zusammenlegen oder Müll wegbringen die meiste Einsatzzeit ab. Auch Tische habe ich zusammen geschraubt, Kabel verlegt und ganze Fernsehgeräte alleine durchs Treppenhaus (weil kein Lift) in den Keller geschleppt. Regelmäßige Fitnessstudiobesuche, Arztgänge und ausufernde Wokgerichte kochen gehörten ebenso zu meiner Arbeit. Ich bin sogar mit dem Auto einer Klientin bis zu einer Werkstatt außerhalb Münchens gefahren, um ihren neuen Wagen abzuholen. Routine war das natürlich nicht, aber dafür ziemlich aufregend (*lacht*)“

ZD: „Das scheint ja ein Traumjob zu sein! Gab es denn auch etwas, was sie gestört hat während ihrer Dienstzeit?“

MB: „Selbstverständlich waren nicht alle Tage lecker Kuchenessen und es gab genug Zeiten an denen man sich geärgert hat und frustriert war. Anstrengend bis nervig wurde es meist dann, wenn irgendetwas die Routine verlässt und noch „extra“ erledigt werden will. Das wir Zivis durch Handys immer und überall erreichbar sind, war meist mehr Fluch als Segen. Nicht ohne Grund lernte ich bereits an meinem ersten Tag, von meinem Zivikollegen: „Wenn das Büro anruft, is immer schlecht! Heißt immer länger arbeiten!“. Stellen sie sich vor! Selbst an meinem freien Tag wurde ich einmal vom Büro angerufen weil sich erneut etwas im Dienstplan geändert hatte. Auf eines konnte man sich schließlich immer verlassen: Dass die Dienstplanbesprechung vom Montag spätestens am Dienstag wieder hinfällig war.
[…]
Aber das ist natürlich Kritik auf hohem Niveau. Im Endeffekt dürften sich aber auf einer Liste die Vor- und Nachteile die Waage halten.“

ZD: „[…] Würden sie denn auf dieser Liste jeweils eine Sache herausnehmen, die ihnen besonders gefallen hat und die sie besonders belastet hat?“

MB: „Ok, lassen sie mich überlegen… (*denkt*) Also am angenehmsten empfand ich, wenn meine Hilfe von Klienten gewürdigt wurde, wenn ich versucht habe ihre Wünsche so gut wie möglich zu erfüllen. Selbstverständlich hat man dabei Klienten, zu denen man lieber geht als zu anderen, das ist gar nicht vermeidbar.
Und der Zivisold natürlich… Der ist nämlich bei weitem nicht so niedrig, wie meist angenommen wird!
Am schwierigsten in meinen neun Monaten empfand ich wohl den Zwang ständig gut drauf sein zu müssen. Es nützt niemanden wenn man zu Klienten schlecht gelaunt einmarschiert, schließlich haben unsere Klienten meist mehr Grund schlecht drauf zu sein. Daher versuchte ich immer mit guter Laune möglichst viel Positives weiterzugeben. Leider kann man keine neun Monate durchgehend gut drauf sein und so musste ich mich an gewissen Tagen stark am Riemen reißen […]. Meist wurde an solchen Tagen, an denen die Motivation ohnehin schon sehr schlecht ausgeprägt war, meist auch die eigene Geduld noch stark auf die Probe gestellt. Das hat viel Kraft gekostet.“

ZD: „Na jetzt haben sie es ja doch geschafft. Ist es denn wahr, dass einem die neun Monate Zivildienst immer sehr kurz vorkommen?“

MB: „Also wenn ich ehrlich bin kamen mir die neun Monate genau wie neun Monate vor. Denn so schnell wie einem die ersten drei vorkommen, so langsam vergehen die letzten. (*lacht*)“

ZD: „Und wie sieht nun ihre Zukunft aus?“

MB: „Ich hoffe gut!“

ZD: „Dann bedanken wir uns für das Interview und wünschen ihnen einen entspannten Urlaub!“

MB: „Dankeschön. Und keine Minute zu früh! Mein Zug fährt gerade ein…“