Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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Vaterchen Frost im langen weissen Umhang, mit Mikrofon als Rapper

Es ist wieder Herbst, und das ist bekannt.
Und ihr wisst, wenn der Herbst gekommen ins Land,
kommt auch das Herbstfest vom cbf,
auf dem ich euch alle Jahre wieder treff.
Einen Rap kriegt ihr heuer von mir geboten,
wer nicht mit der Zeit geht, gehört bald zu den Toten,
und Rappen ist nun einmal angesagt,
ihr werdet da überhaupt nicht gefragt.

Ich bin bekannt in West & in Ost:
Ihr kennt mich als euer Väterchen Frost,
das regelmäßig bei euerm Herbstfest erscheint,
euch die Leviten zu lesen, wobei er gut es meint.
Ihr solltet euch das geduldig anhören
und euch auf gar keinen Fall daran stören,
wenn ich etwas zum Tadeln finde.
Da bin ich zu euch wie der Vater zum Kinde.
Denn wirkt der Tadel auch manchmal grob,
ist er grade so hilfreich wie ein fettes Lob.

Ich bräuchte Musik, wenn ich hier rappe,
doch weil ich sowieso schon so viel mit mir schleppe
und mein Engel ebenfalls voll beladen ist,
reicht‘s für einen CD-Player nicht, so ein Mist!
Auch hab ich die passende Musik gar nicht zu Haus,
für eure Ohren wäre sie sowieso ein Graus,
denn die meisten hier zählen, Brüder wie Schwestern,
doch zu den so genannten „älteren Semestern“.
Aber trotzdem seid ihr nicht von gestern,
deshalb trau ich mich, hier abzulästern.

In Amerika war jetzt grade mal Wahl.
Ihr habt dann im kommenden Jahr die Qual.
Der Seehofer und der Ude wettstreiten,
wer das Land besser könne führen und leiten.
Vorher wird ein Haufen Zeug versprochen,
danach werden die Versprechen gebrochen.
Obama wollte Guantanamo schließen,
dass er es noch nicht tat, ist inzwischen bewiesen.
Doch zählen die meisten hier, will ich vermuten,
Barack Obama eher zu den Guten.
Kaum ist er wiedergewählt, gibt es Skandal,
der Ehebruch kommt auf von einem General,
ein zweiter General kommt gleichfalls ins Gerede.
Das mit der Fleischeslust ist ziemlich blöde,
sie lässt nun einmal die Männer nicht los,
wenn’s rauskommt, ist das Geschrei sehr groß.
Das musste seinerzeit ja schon finden
der Ehemann von Hilary Clinton.
Mit der Moral ist das eine große Scheiße,
den so ein Skandal verdirbt die Preise

Lasst euch beim Wählen von Geschenken nicht verwirren.
die man euch verspricht, ihr könntet euch irren.
Grad eben wurde das Erziehungsgeld beschlossen
und ein Haufen Kohle in den Wind geschossen.
Naja, ihr müsst euch selber entscheiden,
ich darf ja nicht wählen, das muss ich leiden.
Väterchen Frost ist nur eine Kunstfigur,
die reden darf, doch wählen darf nur,
wer hier als Staatsbürger anerkannt,
ist, aber ich wohne in der Phantasie Land.
In meinem Herkunftsland, in Putins Reich
hat die Justiz unlängst einen argen Streich
gegen die Demokratie geführt.
Die Frauenband Pussy Riot hat ihn gespürt,
den Knüppel von Staats- und Kirchenräson.
Ihr seid hier weit entfernt davon?
So sicher bin ich mir dessen nicht:
Habt ihr sie nicht gehört, Leute, die Geschicht,
von dem Mann, der Schwarzgeldgeschäfte enthüllte,
die seine Frau bei der Hypobank erfüllte.
Flugs sperrte man ihn in die Psychiatrie,
wegen Wahnvorstellungen. Sowas gäbs bei euch nie?
Sowas hätte es vielleicht in der Sowjetunion gegeben?
Leider gibt’s sowas auch hier, ihr müsst damit leben,
dass hierzulande nicht alles so gut ist, wie man sagt,
vor allem, wenn einer genauer nachfragt.

Oder schaut euch die Verfassungsschützer an.
Von Pannen redet die ganze Zeit man,
wenn dort gezielt Akten verschwinden,
man könnte ja was über Verbindungen finden
zwischen dem Staatsschutz und den Nazis.
Von Anfang an war es so, dieselben Bazis,
verfolgten schon unter Hitler Demokraten
und sind dann zu Demokratieschützern geraten -
In der DDR gab es das auch, das wisst ihr doch.
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“,
so sagte einstmals der Dichter Bert Brecht.
Und ich sage euch: Er hatte recht.

Nazis und dergleichen, das ist wohlbekannt
hetzen gegen Ausländer, Juden und Linke im Land,
Schwule gelten als krank, obdachlos heißt asozial,
das alles gab es beim Adolf schon mal,
Behinderte lehnen sie ebenfalls ab.
Das „Euthanasie“-Programm, das es seinerzeit gab,
das führen sie heute noch nicht im Munde,
doch wer weiß, was sie, käme erst ihre Stunde,
zu tun, wenn sie könnten, wie sie wollten, in der Lage wären.
Darum muss man den Anfängen schon heute wehren.
Ihr wisst es selber und ich sage es deutlich: Ganz
wichtig ist die Toleranz,
doch Intoleranz soll man nicht tolerieren,
das könnte zur Katastrophe führen

Übern cbf will ich ja auch was erzählen.
doch ich muss euch gestehen, da muss ich mich quälen.
Ich kriege gar keine Informationen
über euch, die vorzutragen sich lohnen.
Seid ihr wirklich so faul oder tut ihr nur so?
Ich glaube, demnächst muss euch den Popo
der Knecht Ruprecht oder der Krampus versohlen,
lasst ihr mich weiter so sitzen auf heißen Kohlen.

Also, ihr habt da dieses Ärzteprojekt,
da werden die Arztpraxen in München gecheckt:
Wie steht es mit der Barrierefreiheit?
Ihr macht das schon eine geraume Zeit.
Dabei hat euch eine Stiftung unterstützt.
Die fand auf einmal, dass es ihr nichts nützt,
die Arbeit war ihr plötzlich viel zu lokal,
sie aber wollte Ruhm national.
Jetzt hat sie die Unterstützung eingestellt,
das bedeutet, euch fehlt es für das Projekt an Geld.
Ihr müsst nun suchen, wie es weitergeht. Mei,
Ich wünsche euch viel Erfolg dabei.

Der S-Bahnhof an der Donnersberger Brücke,
da klafft schon seit Jahren eine große Lücke,
was die Barrierefreiheit angeht.
Jetzt soll was passieren, man denkt sich: Spät
ist besser als nie, doch wie man hört,
gibt’s im Plan noch vieles was ehrlich stört.
Hier müsst ihr kämpfen und intervenieren
& dürft euch dabei überhaupt nicht genieren.
Denn es ist ja klar: Nichts wird jemals gut,
wenn man nicht wirklich was dafür tut.

Gefeiert wird auch, das ist bekannt,
Helferfeste gehen so ins Land.
& dann gibt es das alljährliche Sommerfest,
über das sich so viel immerhin sagen lässt:
Das Wetter war schön, die Stimmung war gut
& euer Grillmeister Dieter schürte die Glut,
zwei Sorten gab es an Kartoffelsalat
& Fleisch jede Menge, so wie man’s gern hat.
Ein junger Mann aus Afrika,
zu Besuch war er eigentlich nur da,
der sang aus seiner Heimat ein Lied
& danach, ihr wusstet nicht, wie euch geschieht,
sang er aus Schuberts schöner Müllerin, ein Teil
ganz ungewohnt im „African Style“.

Viel mehr aber fällt mir zu berichten nicht ein.
Entweder zu groß oder aber zu klein
wäre, worüber ich mich auslassen könnte,
ich denke, da komme ich lieber zum Ende.
Vielleicht denkt ihr euch sowieso: „Was will der Depp?
Er soll endlich aufhörn mit seinem Rap.
Wir wollen jetzt lieber was Schöneres hören.“
OK, da will ich nicht länger mehr stören.

So sagt euer altes Väterchen Frost
erstmal NASDOROWJE!, & das heißt PROST.
& darauf DO SWIDANJA, um jetzt zu gehn,
das heißt nämlich: AUF WIEDERSEHN!

16.11.2011
Jürgen Walla

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