Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

Pünktlich um 10:00 Uhr am Freitag, 27.05.2022, trafen sich alle Teilnehmer/innen unserer kleinen, aber feinen Gruppe von 8 Personen vor der Geschäftsstelle des CBF in der Johann-Fichte-Straße 12 in München-Schwabing. Da einige sich noch nicht kannten, beäugte man sich erstmal zurückhaltend und beobachtend. Mal sehen, ob die gemeinsamen Tage harmonisch werden. Die Autos (ein kleiner rollstuhlgerechter Kleinbus und Peters Auto) standen schon bereit. Erst wurde unser Gepäck in Peters Auto verladen, danach die zwei Elektrorollstühle samt deren lebendem Inhalt (Bernd und Uta 😜) im Bus gesichert – schließlich sollte ja unterwegs nichts passieren. Nach einer kurzen Routenbesprechung der Fahrer/in ging es endlich los. Im Klein-bus fuhren außer uns zwei E-Rollifahrern noch zwei Fußgänger (Hans und Kathi) und die Begleiter/in Volker und Sophia mit. Damit Peter nicht mit unserem Gepäck auf Nimmerwiedersehen durchbrannte, durfte Manni bei ihm als „Aufpasser“ mitfahren und auch wir im Bus waren den beiden immer dicht auf den Fersen – auch auf der Brennerautobahn ließen wir Peters Auto nicht aus den Augen 😉. Nach nur einer Pinkelpause waren wir alle mehr als froh nach 9 Stunden Autofahrt endlich am Ziel zu sein. Einige von uns kannten die wunderschön gelegene Apartmentanlage bereits. Sie befand sich inmitten von Pinien, sehr stark duftenden Jasminbüschen und vielen anderen farbenprächtigen Pflanzen. Da noch Vorsaison war, war es zumindest anfangs schön ruhig. Unsere Ferienanlage und das gesamte kleine Ferienörtchen war zu dieser Zeit kaum bewohnt 😊.


Die Aufteilung der Apartments war folgendermaßen: Peter hatte sich mit seinem „Aufpasser“ Manni, einem weiteren Rollstuhlfahrer, in einem Appartement verschanzt. Jeder hatte dort sein eigenes Zimmer. Hans und Kathi bekamen mit Sophia eine „Anstandsdame“ ins Apartment (was ich ehrlich gesagt gar nicht verstehe, weil sie seit vielen Jahren verheiratet sind 😉). Aber vielleicht wurde Sophia ja auch als Schiedsrichterin für eventuelle Kämpfe eingeteilt 😏. Wir als Elektrorollstuhlfahrerpärchen bekamen den „Schiedsrichter“ Volker mit ins Apartment. Aber auch hier hatte jeder sein eigenes Reich. Da wir Elektrorollstuhlfahrer den großen Tisch im Apartment eh nicht brauchten, wurde er kurzerhand an den schon vorhandenen Tisch vor dem Haus drangestellt und so hatten wir alle genügend Platz für unsere gemeinsamen Essen und Spiele und niemand musste auf dem Schoß des Nachbarn sitzen.

Nachdem wir unsere Apartments bezogen hatten, gingen bzw. rollten wir alle erstmal ins Restaurant direkt in der Anlage – schließlich mussten unsere Mägen ja auch noch irgendwie beruhigt werden. Nach einer kurzen Lagebesprechung verschwanden wir gegen Mitternacht in unsere „Gemächer“.

Am Samstag war Ankommen, Kennenlernen, Auspacken, Pool, Sonne und Eis essen angesagt. Natürlich mussten wir uns auch selbst davon überzeugen, dass die Adria auch wirklich dort war, wo sie sein sollte. Der Strand war in nur 10 Minuten zu erreichen. Wir Rollifahrer hatten eh immer unseren eigenen bequemen Sitzplatz dabei 👌😊. Am Abend schlemmten wir im Agriturismo „Tenuta Augusta“ (Peters Geheimtipp!) et-was weiter südlich von Lido di Spina.

Am Sonntag gingen wir nicht in die Kirche, sondern fuhren mit einem Schiff durch das Po-Delta. Unglaublich, was alles als „barrierefrei“ bezeichnet wird – nicht nur in Deutschland. Um mit dem Elektrorollstuhl überhaupt auf das Schiff zu kommen, war schon der Einsatz einiger starker Arme, Manövriergeschick und Improvisation angesagt. Im Schiffsinneren war dann nochmal eine hohe Stufe, wo wir Rollstuhlfahrer, auch nach viel vergeblicher Mühe, unsere E-Rollis im „Gang“ stehenlassen mussten, um per pedes und mittels einiger helfenden Arme zu Fuß unsere Sitzbank zu erreichen. Ein reichhaltiges Mittagsmenü an Bord und etwas über 4 Stunden später das ganze Kraftspiel dann zurück. Zwischendurch konnte man – wer Lust hatte – das Schiff verlassen, um einen Leuchtturm aus der Nähe anzuschauen. Naja, alle, die Lust hatten, stimmt nicht so ganz, weil Lust hatte ich schon… Aber die Landschaft, vor allem die vielen Dalben, waren sehr schön und interessant. Da die Informationen zur Landschaft nur auf Italienisch gegeben wurden und damit wir auch etwas über die Gegend erfahren konnten, schrieb uns eine Dame der Crew kurzerhand drei Seiten handschriftlich zusammen, die Hans und Sophia uns dann mit ihren Italienisch-Kenntnissen und der Hilfe eines Online-Wörterbuchs übersetzten. Inzwischen hatte es etwas zu regnen begonnen und es war mit 15 Grad recht frisch geworden. Selbst die vielen Flamingos, die im Po-Delta zu Hause sind, hatten sich irgendwohin verkrochen. Abends wurden noch ein paar Spiele gespielt und – trotz des üppigen Mittagsessens – gab es noch Pizza im Apartment.  

Am Montag waren wir am Vormittag auf dem Wochenmarkt bei uns in Lido di Spina. Für den Nachmittag hatte Peter uns eine Weinprobe auf dem Weingut Celli in Bertinoro organisiert und unsere Weintrinker kamen voll auf ihre Kosten. Bertinoro liegt zwischen Forli im Nordwesten und Cesena in der Emilia-Romagna im Südosten am Rande des Apennin. Zur östlich liegenden Adriaküste sind es rund 20 km (Luftlinie), nach Ravenna im Norden und nach Rimini im Südosten jeweils etwa 35 km. Abendessen gab es dann in Cervia direkt am Meer.  

              

Am Dienstag brauchten wir wieder mal einen Tag für Meer, Pool, Eis essen – einfach zum Relaxen. Warm und sonnig genug war es ja wieder. Für abends hatten wir eingekauft, um unsere Gaumen mit Grillfleisch, Fisch und gegrilltem Gemüse zu verwöhnen. Peter bereitete außerdem für uns alle ein leckeres Risotto zu. Sophia und Katharina zauberten uns ein leckeres Tiramisu – für Manni gab es extra eine Portion Tiramisu ohne Alkohol. Einen Wermutstropfen gab es dann doch am Abend. Und auch Manni hatte eine offene Wunde am Bein, die besser ein Arzt anschauen sollte. Beide bekamen Tabletten verschrieben und schon bald ging es wieder besser.

Ab Mittwoch war es dann aus und vorbei mit der schönen Ruhe in unserer Apartmentanlage. Da in Italien am 2. Juni Nationalfeiertag ist, nutzten viele Italiener das lange Wochenende. Die Straßen von Lido di Spina waren voller Autos und Menschen und auch unsere Ferienanlage war ausgebucht. Wir flüchteten und besichtigten das etwa 10 km entfernte, wunderschöne Örtchen Comacchio. Kaum jemand kennt Comacchio – ein Fehler! Das Städtchen hat etwas von Venedig, die Landschaft des Po-Deltas sieht aus wie gemalt – und seit ein paar Jahren sorgen zugereiste Flamingos für zusätzliche Farbeffekte. Im Wasser der Kanäle spiegeln sich Fassaden, Türme und allerlei Brücken. Vor Restaurants und Bars sitzt man bei Meeresfrüchten und gegrilltem Aal. Teenager treffen sich auf der Trepponti. Diese eindrucksvolle Brückenkonstruktion überspannt mit fünf Treppen gleich drei Kanäle! Wüsste man es nicht besser, man wähnte sich glatt in Venedig – mit dem Unterschied, dass Massentourismus hier nie ein Problem war. Abends aßen wir genüsslich im „Le Vele“ im Nachbarort Lido degli Estensi.

Am Donnerstag waren wir erst zu einer Stadtführung auf Deutsch in der schönen Stadt Ravenna. Ravenna ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Region Emilia-Romagna und lag ursprünglich unmittelbar an der Adria – inzwischen sind es jedoch etwa 8 km. Abends waren wir wieder im Landgut „Tenuta Augusta“. Schließlich hatte es uns dort sehr gut geschmeckt.  

Am Freitag liefen bzw. rollten wir in den Nachbarort (Lido degli Estensi) zum Shoppen. Am späten Nachmittag fuhren alle außer mir zur „Abbazia di Pomposa“, um die alte Benediktiner-Abtei im romanischen Baustil anzusehen. Den Abend ließen wir in Porto Garibaldi zum Essen und Eis essen ausklingen. Dabei hatten wir noch Überraschungsbesuch von Sophias Mama und ihrem Mann, die uns auf ihrer Rückreise von Griechenland noch spontan für einen Abend besuchten.

 Am Samstag war dann nochmal Pool, Meer, Relaxen und Packen angesagt. Während Peter und die Rollstuhlfahrer sich noch einen Aperitif gönnten, liehen sich die anderen vier eine Rikscha aus und erkundeten Lido degli Estensi noch ein bisschen. Zum Abschluss gingen wir alle nochmal im selben Restaurant wie am Mittwoch zusammen essen.

Am Sonntag fuhren wir früh wieder zurück nach München. Gefrühstückt wurde unterwegs. Bis kurz vor München verlief die Rückfahrt problemlos. Am Irschenberg fuhren wir durch ein heftiges Gewitter, sodass wir – wie viele andere Autofahrer – auch rechts ranfahren mussten, bis das Schlimmste vorüber war. Man konnte vor lauter Regen keine zwei Meter weit sehen!

Die Freizeit war sehr schön. Wir waren eine dufte Truppe und ich bin froh, dass wir mitgefahren sind. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön v.a. an Peter für die gute Organisation. Mir persönlich hat besonders der Tagesbeginn mit dem gemeinsamen Frühstück gefallen. Aber jetzt sind sicher alle auch froh, wieder in den eigenen Betten schlafen zu können.

 

Uta Schulz

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