Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

A+ A A-
Matisse, Picasso, Miro … und die französischen Gobelins

Die „freie Kunst“ blickt immer ein wenig verächtlich auf die „angewandte Kunst“ herab, vielleicht aus der irrigen Auffassung heraus, dass nur im vom einzelnen Künstler selbst produzierten Werk das Genie sich entfalten könne. In der Kunsthalle haben wir die Gelegenheit, dieses Vorurteil zu hinterfragen und zu widerlegen.

Die traditionsreiche Kunst der „Bildwirkerei“ – schon im Mittelalter dienten Teppiche als beweglicher Wandschmuck, der z.B. von den Königen beim Besuch ihrer verschiedenen Residenzen mitgeführt werden konnte – erscheint manchem als ein steifes, prunkvolles aber doch etwas altbackenes Medium. Hier können wir beginnend bei Gobelins des Jugendstils bzw. Symbolismus  verfolgen, wie sich diese Gattung im Lauf des vorigen Jahrhunderts weiter entwickelt hat, bis hin zu zeitgenössischen Werken.  

Künstler haben auch früher schon die Vorlagen für Wandteppiche geliefert, so hat z.B. Goya Kartons für Gobelins geschaffen. Im französischen Aubusson befindet sich ein, um nicht zu sagen das Zentrum der Herstellung von Wandteppichen. In höchster Qualität werden die Ideen der Künstler auf imposanten, großen Formaten umgesetzt. Es gibt dabei durchaus auch problematische Ergebnisse, z.B. zur Verherrlichung des Vichy-Regimes oder zur Verschönerung der Räume von Nazigrößen wie Göring und Ribbentrop. Seit führende Künstler der Moderne wie Pablo Picasso, Sonia Delaunay, Joan Miro, Le Corbusier oder Vasarély Vorlagen für die Wandteppiche lieferten, sind außerordentlich eindrucksvolle Werke entstanden, die ihr Schaffen aus einem andern Blickwinkel ganz neu beleuchten und ergänzen. Und das, was die zeitgenössische Kunst auf dem Gebiet hervorbringt, ist schlicht umwerfend.

Man erfährt in der Ausstellung auch viel über den Herstellungsprozess der Teppiche. Schade, dass die Namen der Weberinnen und Weber nicht genannt werden, sie haben das Werk schließlich hervorgebracht. Das war freilich auch früher schon so.

Wir gehen am Samstag, dem 22. Februar in die Ausstellung und treffen uns dafür um 13:00 Uhr in der Kassenhalle der Kunsthalle der Hypo-Vereinsbank. Die Räume sind barrierefrei zugänglich. Teilnahme bitte im cbf-Büro anmelden.

 

Jürgen Walla
Meinungen dazu: (0)
Schreiben Sie Ihre Meinung!
Um spam zu vermeiden prüfen wir die Kommentare, bevor wir sie freigeben. Wir speichern keine pesonenbezogenen Daten. Die Nennung eines Namens ist freiwillig, und es kann ein frei gewählter Name sein.