Club Behinderter und Ihrer Freunde e.V.
München und Region

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Teils abschüssig, teils mit schlechter Sicht – aber es geht was.  

Fakten zuerst: Es gibt 28 Kinos in München mit 70 Sälen und 13.459 Sitzplätzen und 148 Stellplätzen für Rollstühle. Das bedeutet, dass 1,07% der Plätze für Menschen im Rollstuhl vorgesehen sind. Es müssten, prozentual gesehen ungefähr doppelt so viele sein. 270 Stellplätze würden dem Anteil von ca. 2% an der Gesamtbevölkerung entsprechen. Von den 70 vorhandenen Sälen sind 39 barrierefrei und 5 über eine Stufe zugänglich.

Nun zur Qualität der Stellplätze. Es ist gut und schön, Stellplätze auszuweisen, aber von wie vielen Plätzen hat man eine gute Sicht zur Leinwand? Das sind nun eher weiche Fakten, aber ich werde versuchen, die „gute Sicht“ etwas genauer zu definieren.

Wünschenswert ist, dass man relativ mittig vor der Leinwand sitzt, umso weiter vorn – umso weiter zur Mitte und dass man in einer günstigen Entfernung zur Leinwand sitzt.  

Leider sind von den 148 Plätzen 106 am Rand und 38 in der ersten oder zweiten Reihe. Das sagt schon alles aus.

17 Plätze sind definitiv nicht geeignet. Sie sind ganz vorne und auch noch am Rand. Dazu zählen die 4 Plätze in den 2 Arenasälen, die 2 Plätze in der Münchner Freiheit Saal 2 - der Pärchenplatz im Abseits ganz vorne rechts und 1 Platz (von 3) im Saal 1. Den Platz im Monopol 2 sollte man auch vermeiden, da klemmt man vor der ersten Reihe rechts außen und bekommt einen schiefen Hals. Im Saal 3 sind die 3 Plätze auch nicht besonders. Im Atelier sitzt man zwar auch vorne in der ersten / zweiten Reihe, aber der Abstand zur Leinwand ist größer, sodass die Plätze okay sind. Dann gibt es einige Säle mit schlechten und besseren Plätzen. Da der Ansturm meist nicht so groß ist, kann man die besseren wählen (Studio Isabella, Roter Saal im Rio, Monopol Kinobar – mein Favorit, was die Gemütlichkeit angeht,).  

Nun zu den positiven Ergebnissen meiner Recherche. Unser Flaggschiff ist das Mathäser mit seinen 14 barrierefreien Sälen, 4126 Sitzen, 32 Stellplätzen für Rollstuhlfahrer und 4 behindertengerechten WCs – das ist schon beeindruckend. An einem Tag am Wochenende strömen bis zu 10.000 Menschen hierher. Es gibt keinen einzigen Saal, in dem man ganz vorne sitzen muss. Die Plätze sind auch alle erhöht, sodass die Augen geradeaus auf die Leinwandmitte und nicht auf den unteren Rand schauen. Aber von den insgesamt 32 Plätzen sind auch nur 4 richtig super, da die anderen am Rand sind. Da man in allen Sälen relativ weit hinten steht, ist der Blickwinkel trotzdem bei allen gut. In dem wunderschönen großen Saal, in den 6 Rollis (und mehr) reinpassen, gibt es 3 fast perfekte, da weiter in der Mitte gelegene Plätze. Sie sind aber relativ weit von der Leinwand entfernt. Der perfekte Platz ist im Mathäser Saal 9. Er ist nicht ganz am Rand, in der Raummitte von der Entfernung her gesehen, und auf der Höhe der Leinwandmitte – und das in einem Kino mit WC in der Stadtmitte – was will man mehr? Insgesamt habe ich nur ungefähr 20 sehr gute Plätze gefunden. Alle 5 Plätze in den 3 zugänglichen CinemaxX Sälen sind richtig gut, für Fans der letzten Reihe sogar perfekt, wobei der Abstand zur Leinwand nicht zu groß ist. Und auch in diesem Kino gibt es ein behindertengerechtes WC. Insgesamt sind es 11 WCs in 8 Kinos. Im Filmmuseum ist auch ein Platz von fünfen super gut (WC gibt’s auch). Zum Schluss möchte ich noch das Cincinnati, unser großes amerikanisches Kino, als sehr gut loben. Man kann in keinem anderen Kino so viele Rollstuhlstuhlfahrer auf einmal unterbringen wie hier, bis zu 30 ungefähr. Wie viele Plätze genau davon perfekt sind, ist schwer zu ermitteln, aber dies ist das einzige Kino, in dem man sich in der absoluten Raummitte platzieren kann. Dadurch, dass es einen breiten Mittelgang gibt, ist dies möglich. Vor den letzten Reihen, im hinteren Saaldrittel, ist zwischen den Reihen ein Gang von 1,70 m frei. Dort kann sich auf der gesamten Saalbreite ein Rollstuhlfahrer neben den anderen stellen.Hier gibt es auch ein WC. Nachteilig ist, dass der gesamte Saal leicht abschüssig ist, mit ca. 7% Gefälle und dass das Kino etwas außerhalb, in der Nähe der S-Bahnstation Fasangarten liegt.
Ich würde mich freuen, wenn die Leser der Clubpost und die Nutzer unserer Homepage ihre Erfahrungen und Erlebnisse auf der Kinoseite, bei den Kommentaren beisteuern könnten. Ich habe bestimmt Vieles nicht bedacht und übersehen, was interessant und wichtig zu wissen wäre. Ich bin gespannt auf eure Beiträge.

Hanne Kamali